Das RAIDBOXES WordPress-Performance-Framwork

Alle Ladezeiten fest im Blick: Das WordPress-Performance-Framework

Performance-Checks sind aufwändig. Gerade wenn man nicht nur eine, sondern gleich mehrere Seiten optimiert. Deshalb muss klar sein, welche Optimierungsmaßnahmen sich überhaupt lohnen und womit man gegen Windmühlen kämpft. Und man muss natürlich den Überblick behalten. Ich habe heute ein Framework im Gepäck, mit dem du all deine Optimierungsmaßnahmen genau festhalten kannst und präzise bestimmst, welche Maßnahmen der Ladezeit deiner Webseite wirklich nutzen.

Ob Webpagetest, Google Test My Site oder Google PageSpeed Insights – mittlerweile stehen dir als Webmaster eine ganze Reihe von Tools zur Verfügung, mit denen du die Ladezeit deiner Webseiten detailliert messen kannst. Insbesondere die Google-Tools Test My Site (für mobile Seiten) und PageSpeed Insights (für mobile und Desktop-Versionen) geben dir handfeste Tipps und Anweisungen, mit denen du die Ladezeit deiner Webseiten verringern kannst: Caching einrichten, Bilder verkleinern, CSS-Dateien minimieren.

Das Gleiche gilt für Monitoring-Tools, die in regelmäßigen Abständen die PageSpeed Wertungen und Ladezeiten deiner Seiten erfassen.

Du machst dich also daran, in aufwändiger Kleinarbeit alle gängigen Maßnahmen umzusetzen und stellst am Ende fest, dass deine Seite nun tatsächlich deutlich schneller lädt. Sehr erfreulich. Nur: Welche Maßnahme war am Ende die wichtigste?

Aus Erfahrung wissen wir: Nicht alle Optimierungsmaßnahmen machen Sinn

In mehr als 450 ausführlichen Performanceanalysen haben wir die Erfahrung gemacht, dass nicht immer die wirklich relevanten Probleme angegangen werden. Ergebnis: Es wird beispielsweise sehr viel Zeit und Geld in die Einrichtung eines CDN gesteckt, obwohl dieses im Endeffekt keinen Performancevorteil bringt (z. B. weil die Besucher ausschließlich aus Deutschland kommen). Einige Eingriffe kann man sich also getrost sparen und die Zeit sinnvoller investieren.

Genau dafür haben wir intern ein kleines Framework gebaut, mit dem wir die Ergebnisse unserer eigenen Performance-Optimierungen überprüfen. Mit ihm können wir genau nachvollziehen, welche Optimierungsmaßnahmen zu welchen Ergebnissen geführt haben. Und wir nutzen es auch, um den Einfluss von Plugins und Themes auf die Seitenperformance zu messen. 

Daher zeige ich dir heute:

 

Mit besserer WordPress-Performance steigen Ranking und Conversion Rate

Dass die Ladegeschwindigkeit einer Seite ein Rankingfaktor ist, wurde schon 2010 offiziell von Google bestätigt und ist damit eigentlich ein alter Hut. Je schneller die Seite ist, desto besser wird sie also ranken.

Klingt banal, muss man aber verinnerlichen.

Google selber empfiehlt beispielsweise als idealen Wert für die Time to First Byte (TTFB), also die Zeit bis zur Antwort des Servers, 200 Millisekunden.

RAIDBOXES WordPress Performance Framework Fehlermeldung von Google PageSpeed Insights bezüglich TTFB
Diese Nachricht von Google PageSpeed Insights wird nur dann angezeigt, wenn die TTFB deiner Seite unter 200 Millisekunden beträgt.

Der Zusammenhang zwischen der Ladezeit einer Webseite und dem Ranking bei Google konnte von Moz, einem der amerikanischen Big Player in Sachen SEO, 2013 auch unabhängig nachgewiesen werden. In diesen beiden Studien finden die Kollegen eine starke Korrelation zwischen Ranking und TTFB:

 

Interessanterweise konnten die Amerikaner keinen Zusammenhang zwischen der Gesamtladezeit der Seite und dem Pagerank finden! Du siehst also: Nicht jede Optimierungsmaßnahme zahlt auch unmittelbar auf die Suchmaschinenoptimierung ein.

Die konkrete WordPress-Performance ist vor allem für Online-Businesses relevant

Das Thema Seitengeschwindigkeit hat aber auch abseits von Suchmaschinen enorme Bedeutung für Online-Businesses. Denn die WordPress-Performance beeinflusst Conversion Rates und Nutzerverhalten.

0,1 Sekunde mehr = 1 Prozent weniger Umsatz

Schon 2006 stellte Amazon über A/B-Tests fest, dass 100 Millisekunden Verzögerung beim Laden durchschnittlich Einbußen von 1 Prozent des Umsatzes bedeuten können. Eine ganze Sekunde Verzögerung summiert sich für Amazon dann bereits auf 1,6 Milliarden Dollar entgangenen Umsatz im Jahr auf.

In abgespeckter Form gilt dieser Grundsatz somit für alle Shops: Muss der Einkaufende zu lange auf die Seite warten, verringert sich die Wahrscheinlichkeit eines Kaufs. Das Google Tool Test my Site trägt diesem Umstand schon in seiner Eingabemaske mit dem Spruch Rechnung:

“Most sites lose half their visitors while loading.”

Raidboxes wordpress performance framework die startseite von google test my site
Neben dem Spruch gibt Google Test my Site auch einen Wert aus, der zeigt, wie hoch die Absprungwahrscheinlichkeit von Nutzern auf einer Seite ist, weil diese zu langsam lädt.

Auch für Content gilt: Je langsamer die Seite, desto weniger wird gelesen

Die Financial Times testete 2016, wie Leser auf eine Verzögerung von einer bis fünf Sekunden in der Ladezeit reagieren.

Es zeigte sich, dass die Besucher wesentlich weniger Artikel pro Besuch lasen, je langsamer die Seite wurde. Sowohl die Einnahmen durch Abonnements als auch die durch Werbung litten also unter einer zu langsamen Seite.

Das Fazit des Medienhauses: Ein halbes Jahr später wurde die Webseite komplett überholt, mit Schwerpunkt auf der Seitenladezeit. Alleine durch das Redesign einer Webseite und deren Ladezeitoptimierung haben hier also dazu beigetragen das Publishing-Kerngeschäft zu beflügeln.

Zusammenhang zeigt sich auch im Dienstleistungsgeschäft

Und auch für Dienstleister sind die Ladezeiten der eigenen Webseite wichtig. Das zeigt bspw. der Fall des kanadischen Software-Entwicklers Intuit: Von 2012 bis 2013 konnte der Anbieter die Ladezeit seiner Seite um über neun Sekunden verbessern.

Und auch diese Optimierung hatte handfeste betriebswirtschaftliche Vorteile: Als die Ladezeit der Webseite noch über sieben Sekunden lag, konnte die Conversion Rate mit jeder Sekunde Reduktion um drei Prozentpunkte gesteigert werden. Selbst als die Ladegeschwindigkeit bereits unter vier Sekunden lag, brachte jede Sekunde Verbesserung noch einen Prozentpunkt für die Conversion Rate ein.

Fassen wir zusammen: Für Shops, Publisher und Dienstleister hat die Ladezeit der Webseite einen nachweislichen Einfluss auf die Conversion Rates. Von der Relevanz als Ranking-Faktor einmal ganz abgesehen.

Der Grund hierfür wird in der Wahrnehmung der Nutzer vermutet. Diese Beiträge zeigen eindrucksvolle Beispiele:

 

Daher ist es wichtig, dass man sich bei der Performance-Optimierung nicht in Schattenboxkämpfe verwickeln lässt, sondern wirklich dort optimiert, wo man die Wahrnehmung des Seitenbesuchers positiv beeinflussen kann.

 

Überblick behalten, Stellschrauben identifizieren: Das bringt unser Tool

So, nach den ganzen Zahlen und Fakten, jetzt etwas Handfestes. Zugriff auf das Framework bekommst du übrigens über eine der Eingabemasken in diesem Beitrag.

Was bringt das Framework nun aber konkret?

Bei der Optimierung und Analyse hunderter von WordPress-Seiten ist uns aufgefallen, dass die Analysetools GTmetrix und Webpagetest zwar eine Testhistorie anlegen, dass diese aber sehr schnell sehr unübersichtlich wird, wenn man regelmäßig mehrere Seiten testet.

Also haben wir uns ein eigenes „Tool“ geschaffen, in dem wir für einen ganz bestimmten Optimierungsfall alle Messdaten eintragen und das uns automatisch ausrechnet, welche Werte sich wie verändert haben.

So haben wir z.B. herausgefunden, dass besonders bei schlanken Seiten Plugins, die CSS und JavaScript komprimieren, nicht immer Sinn machen. Zumindest dann nicht, wenn die Seite unter SSL läuft und HTTP/2 nutzt. Den Aufwand kann man sich an der Stelle also unter Umständen komplett sparen oder die Maßnahmen zumindest hinten anstellen.

Unser Framework basiert auf dem Google Tabellentool. Wir selbst nutzen eine halbautomatisierte Variante, bei der die Tests mit Webpagtest automatisch durchgeführt werden.

Wer kann das Performance-Framework nutzen

Natürlich jeder 😉 Du kannst das Framework vollkommen frei verwenden, verändern und weiterverarbeiten.

Gerade für SEOs, Agenturen, Designer und Berater macht es Sinn, viele Seiten gleichzeitig im Blick zu haben. Hier sehen wir auch den größten Nutzen: Mit dem Framework kannst du unterschiedliche Maßnahmen direkt gegeneinander testen und systematisch herausfinden, was nun Vorteile bringt und was nicht.

Das Framework selbst ist eine Google-Tabelle, die du hier kostenlos einsehen kannst.

 

So nutzt du das RAIDBOXES Performance-Framework

Der Name ist zwar etwas sperrig, die Nutzung dafür aber recht einfach:

 Schritt 1: Messtool suchen und Grunddaten erfassen

Du erhebst als Ausgangswert einmal alle Ladezeiten deiner Seite und hältst sie in der Tabelle fest. Dazu kannst du zum Beispiel Webpagetest, GTmetrix oder Pingdom Tools nutzen. Wir empfehlen Webpagetest. Das Google Tool bietet schlicht die besten Einstellungsmöglichkeiten für wirklich gutes Messen:

 

Achte darauf das richtige Tabellenblatt für den genutzten Test auszuwählen. Egal welches Tool du nutzt, es werden meist die folgenden Werte erfasst: Time to First Byte, Start Render (Zeitpunkt, an dem der sichtbare Seitenaufbau beginnt) und die Load Time (wie schnell die Seite in der Wahrnehmung deiner Nutzer lädt). Werte wie die gefühlte Ladezeit errechnet das Tool automatisch.

Außerdem ist wichtig, dass du Seiten-URL und das Messdatum notierst.

Schritt 2: Optimieren und erneut messen

Jetzt führst du deine Optimierungsmaßnahme durch (komprimierst also z.B. deine Bilder), machst eine erneute Messung mit demselben Tool und trägst die Werte in die entsprechenden Felder ein. Das Framework errechnet jetzt automatisch ob – und wenn ja um wie viel – sich die einzelnen Werte geändert haben. Wichtig ist natürlich, dass keine anderen Veränderungen an der Seite vorgenommen wurden.

Das war’s. Mehr muss nicht beachtet werden. Obwohl wir noch einen Tipp an dieser Stelle haben:

Es ist wichtig, dass du immer mehrere Messdurchgänge durchführst. Nur so und mit dem Errechnen von Mittelwerten kommst du auf einigermaßen zuverlässige Werte. Warum, erklären z.B. die Kollegen von HootProof in ihrem großen „WordPress-Optimierungs-Guide“. In unserem Beitrag zur Verwendung von Webpagetest zeigen wir außerdem, wie du mit dem Google Tool zuverlässig gute Messwerte produzierst.

Klick dich durch und probier’s aus

Einfach, aber mächtig: Mit dem Framework behältst du nicht nur den Überblick über deine aktuellen Optimierungsfälle, sondern auch über die Performance deiner laufenden WordPress-Projekte.

Das macht vor allem dann Sinn, wenn du viele Seiten gleichzeitig betreust und deinen Optimierungsprozess besser verstehen willst.

Klick dich einfach durch die Google Tabelle, teste das Framework und verändere es entsprechend für deinen Anwendungsfall. Bei Fragen, hinterlasse einfach einen Kommentar oder schreibe mir direkt eine Mail.

Wenn du fortfährst, stimmst du unserer Cookie-Richtlinie zu.