Webpagetest verstehen: Das Testmonster zähmen

Webpagetest: Zähme das Test-Monster & analysiere deine Webseiten

WebPagetest ist das wahrscheinlich beste und umfangreichste kostenlose Tool zum Messen deiner Seitenladezeit. Leider liefert es sehr viele und sehr komplexe Daten. Ich zeigen dir heute was du einstellen musst, wie du Ordnung in den Datenwust bringst und welche Kennwerte du für eine professionelle Analyse brauchst. Denn nur wenn du weißt wie deine Kundenprojekte und eigenen Seiten laden, kannst du sie auch top optimieren.

Sicher soll die eigene Seite sein. Und schnell. Natürlich, denn von der Ladezeit hängt viel ab: Die Conversionrate, das Sicherheitsempfinden deiner Besucher und das Google-Ranking deines Angebots. Viele WordPress-Nutzer kommen aber gar nicht erst so weit, dass sie die Ladezeit der eigenen Seite richtig bestimmen können.

Manche Seitenbetreiber wissen beispielsweise gar nicht mit welchen Tools genau sie ihre Seite richtig analysieren können. Oder sie wissen nicht, welche Einstellungen sie vornehmen müssen, um wirklich gute Ergebnisse zu erzielen. Damit du nicht dieselben Fehler machst, zeige ich dir heute, wie du dir mit dem (unsere Meinung nach) besten kostenlosen Messtool überhaupt einen schnellen und aussagekräftigen Überblick über deine Seite verschaffst. So weißt du ganz genau wie schnell deine Seite lädt und ob und wo du optimieren musst.

Um genau zu verstehen, wie die einzelnen Analyseschritte funktionieren, rate ich dir, dass du die an den wichtigen Stellen verlinkten Datensätze anschaust oder parallel deine eigene Seite analysierst. Denn: Ordnung in den Datenwust zu bringen ist gar nicht so einfach. Als Belohnung für den Aufwand erhältst du aber mit die besten Daten, die du je selbst über deine Seite gesammelt hast. Und gerade wenn du im Kundenauftrag arbeitest oder mit deinen WP-WordPress-Projekten dein Geld verdienst, lohnt sich der Aufwand allemal.

Webpagetest ist das beste Tool, das wir kennen

Zugegeben: Wir loben webpagetest.org in diesem Artikel überschwänglich. Vielleicht zu überschwänglich, aber nicht zu unrecht. Denn Webpagetest ist das einzige uns bekannte Tool, das es dir erlaubt die absolute und die gefühlte Ladezeit deiner Seite zuverlässig zu bestimmen. Und das völlig umsonst. Keine Bezahlschranke, kein Abomodell, einfach wertvolle Daten und eine API, die es dir erlaubt das ganze auch noch zu automatisieren: so soll es sein.

Der Vollständigkeit halber sei gesagt, dass du auch mit Pingdom und GTmetrix schöne Messergebnisse bekommst. Aber eben nicht so schöne, wie mit Webpagetest. Das heißt natürlich nicht, dass du deine Ergebnisse nicht mit mehreren Tests in unterschiedlichen Tools absichern kannst und solltest. Und es heißt auch nicht, dass du nicht mit Pingdom oder GTmetrix messen solltest. Nur kann ich dir empfehlen dir Webpagetest zumindest einmal anzuschauen.

Es ist bei uns fast schon ein Mantra geworden: Um die Ladezeit deiner Seite zu messen, reichen Tools wie Google PageSpeed Insights nicht aus. Denn diese bestimmen lediglich das Performancepotenzial deiner Seite. Diese Daten sind natürlich nach wie vor wertvoll – und zwar aus Performance- und SEO-Sicht –, erlauben dir aber schlicht keine Rückschlüsse auf das, was tatsächlich passiert, wenn ein Besucher deine Seite aufruft.

Genau das willst du aber wissen. Und genau das musst du auch wissen, um bestimmen zu können, ob eine Optimierungsmaßnahme greift.

Leider liefert Webpagetest neben nicht gerade hübsch aufbereiteten Daten auch sehr umfangreiche Testergebnisse. Daher zeige ich dir heute, wie du Webpagetest bedienst und wie die Ergebnisse grundlegend zu interpretieren sind.

Im nächsten Abschnitt gehe ich kurz auf ein paar Hintergründe des Tools ein. Wenn dich das nicht interessiert, überspringe den Part einfach.

Webpagetest: Der große Bruder von Google PageSpeed Insights

Webpagetest war ursprünglich ein AOL-Projekt und nur für den internen Gebrauch gedacht. 2008 wurde das Programm dann aber zur Open Source-Software und wird heute hauptsächlich von Google betreut und weiterentwickelt. Die gesamte Dokumentation von Webpagetest findet sich auf GitHub und kann auch heruntergeladen und lokal genutzt werden.

Während PageSpeed Insights die zeigt wo die Optimierungspotenziale deiner Seite liegen, kann Webpagetest wesentlich mehr. Denn es zeigt dir nicht nur, wie du deine Seite noch verbessern kannst sondern auch direkt, welche Auswirkungen deine Optimierungsmaßnahmen auf die Ladezeit deiner Seite haben.

Im Gegensatz zu Pingdom und GTmetrix, steht hinter Webpagetest kein Unternehmen, das einen kostenpflichtigen Service verkaufen möchte (ok, außer Google, aber der Service wird zumindest nicht direkt verkauft). Vielmehr könnte man sagen, dass Webpagetest Teil von Googles Plan ist, das Netz insgesamt schneller zu machen. Wie auch immer man die Bestrebungen von Google in diesem Zusammenhang bewerten möchte.

In 4 Schritten zu wirklich aussagekräftigen Ladezeitdaten

Ja, Webpagetest ist komplexer als andere Tools. Lass dich davon aber nicht abschrecken! In diesem Fall ist Komplexität gut. Denn das heißt, dass du tolle Daten über deine Webseite bekommst. Und auch als Erstnutzer kommst du recht schnell an die relevanten Infos.

Und zwar mit den folgenden vier Schritten:

Schritt 1: Testparameter einstellen

Schritt 2: Überblick verschaffen

Schritt 3: Detaillierte Analyse

Schritt 4: Analyse der gefühlten Ladezeit

Schritt 1: Testparameter einstellen

Webpagetest bietet sehr feine Einstellungsmöglichkeiten für den Test deiner Website. Vier dieser Einstellungen sind besonders wichtig, um gute Messergebnisse zu bekommen:

  • den Server, mit dem getestet werden soll (1)
  • der Browser, mit der getestet werden soll (2)
  • die erweiterten Testeinstellungen, auf die ich gleich noch näher eingehe (3)

Startseite von Webpagetest
So sieht die Startseite von Webpagetest aus. Sie ist damit etwas komplexer, als die von Pingdom oder GTmetrix.

Der Server, den du für den Test wählst, simuliert einen Nutzer, der die Seite von dort aus aufruft. Wählst du den voreingestellten Server in den USA, dann wird das Testergebnis für einen Seitenaufruf aus Texas ausgegeben. In den meisten Fällen ist das aber nicht unbedingt das, was du möchtest. Daher ist diese Einstellung sehr wichtig. Denn sie kann das Gesamtergebnis massiv verzerren und muss, je nach Anwendungsfall, entsprechend eingestellt werden.

Die beiden häufigsten Anwendungsfälle sind:

  1. Bestimmung der Ladezeit für einen User aus deiner Zielgruppe
  2. Ladezeitvergleich nach einer Optimierungsmaßnahme

Willst du wissen, wie deine Besucher die Ladezeit der Seite wahrnehmen, dann muss der Serverstandort möglichst genau dem Standort eines typischen Nutzers entsprechen. Für einen Blog mit hauptsächlich deutschen Lesern bedeutet das, dass du einen Server in Deutschland, zum Beispiel in Frankfurt, wählen solltest.

Willst du wissen was eine Optimierungsmaßnahme gebraucht hat, dann ist es prinzipiell egal welchen Serverstandort du verwendest. Wichtig ist nur: Du musst für den Test vor und nach der Optimierung denselben Serverstandort verwenden. Ansonsten kannst du die Messdaten nicht richtig vergleichen. Natürlich empfehle ich auch hier einen deutschen Testserver. Dieser liefert schlicht die realistischsten Ergebnisse.

Webpagetest: Karte für die Auswahl des Testservers auf Webpagetest.org
Neben einer Listenauswahl hast du auch die Möglichkeit den Testserver über eine Karte auszuwählen. Außerdem siehst du hier alle Testserver im Überblick.

Der verwendete Browser

Webpagetest bietet viele Einstellungsmöglichkeiten, um bestimmte Übertragungstechniken und Browser zu simulieren. Du kannst beispielsweise definieren, dass die Seite über eine 3G-Verbindung und Firefox geladen werden soll. Für den Anfang reicht aber die Wahl des Browsers, den deine Zielgruppe am häufigsten verwendet.

Infos darüber kannst du beispielsweise in Google Analytics oder Piwik einsehen. RAIDBOXES wird zum Beispiel mehrheitlich über Chrome besucht.

Auszug aus den von den Besuchern von raidboxes.de verwendeten Browsern. Diese dienen als Vorlage für die Einstellungen in Webpagetest.
Die meist verwendeten Browser auf raidboxes.de. Für eine Analyse in Webpagetest würde ich also vornehmlich Chrome testen. Ergebnisse für Firefox und Safari sind im Gegensatz dazu natürlich auch interessant.

Ganz wichtig: Die erweiterten Einstellungen bestimmen darüber wie gut letztlich deine Messdaten werden!

Neben den beiden Parametern, die bestimmen wie getestet wird – also dem Serverstandort und dem verwendeten Browser –, bietet Webpagetest auch die Möglichkeit einzustellen, was der Test am Ende ausgeben soll. In den erweiterten Einstellungen kannst du beispielsweise definieren, dass nur bestimmte Werte ausgegeben werden sollen, oder die Messung nach einer gewissen Zeit automatisch stoppen soll. Und hier gibt es zwei Einstellungen, die besonders wichtig sind, um einigermaßen umfassende und verlässliche Daten zu erhalten: Die „Number of Tests to Run“ und den „Repeat View“.

Prinzipiell solltest du beim Messen der Ladezeit immer mehr als einmal messen. Ansonsten läufst du Gefahr Ausreißer zu messen und suchst unter Umständen nach einem Problem, das gar nicht existiert. Und glaub mir: Das haben wir schon einige Male erlebt. Ich empfehle mindestens drei aufeinanderfolgende Tests.

Außerdem solltest du daran denken immer auch die gecachte Version deiner Seite zu messen. Das erreichst du durch die Repeat View-Option.

Webpagetest erweiterte Einstellungen
In den erweiterten Einstellungen von Webpagetest liegt die wahre Magie des Tools. Erst wenn du hier mindestens 3 Tests auswählst und auch den Repeat View einschließt werden die Daten, die du bekommst richtig interessant.

Hast du deine URL – also bspw. https://raidboxes.de – eingetragen und die Testparameter eingestellt (also den deutschen Server, den Browser, die mindestens 3 Wiederholungen und den Repeat View), kannst du den Test starten. Je nachdem wie viele andere Nutzer gerade ihre Seiten testen, kann die Analyse ein paar Minuten dauern.

Wichtig ist: Webpagetest testet nur die Seite, die unter der URL erreichbar ist, nicht deine gesamte Webpräsenz. Das heißt du solltest deine Homepage, alle Landingpages und, wenn relevant, auch deine Produktübersicht einzeln testen.

In diesem Leitfaden arbeite ich mit den Daten aus der Analyse unserer Startseite, raidboxes.de. Das heißt du kannst alles, was hier erklärt wird eins zu eins in webpagetest.org nachstellen. Klicke einfach hier und du erhältst die Ergebnisse der Analyse mit Stand von Ende Dezember 2016.

Schritt 2: Überblick verschaffen

Das erste, was du siehst, ist die Übersicht der Seitenladezeit. Diese unterteilt sich in drei Bereiche:

  • die Testparameter und die Ergebnisse der Potenzialanalysen (1)
  • die Aufschlüsselung der wichtigsten Kennwerte (2)
  • die Übersicht über den Seitenaufbau (3)

Die Überblicksergebnisse des Webpagetest

Überblick über die ersten Ergebnisse von webpagetest.org

(1) Je mehr grün, desto besser

Im ersten Bereich werden noch einmal die Testparameter zur Kontrolle aufgelistet. Wenn du hier noch einen Fehler entdeckst, wiederhole den Test einfach. Zudem siehst du das Ergebnis der Potenzialanalyse. Webpagetest gibt dir also auch die Ergebnisse von Google PageSpeed Insights aus. Wenn du mit der spartanischen Darstellung von Webpagetest zurecht kommst, kannst dualso auf PageSpeed Insights verzichten.

Webpagetest bedient sich einem Schulnoten- und Farbcode. A ist die beste, F die schlechteste Wertung. Grün zeigt einen guten Optimierungsgrad an, orange weist auf nutzbares Optimierungspotenzial hin und rot zeigt dringenden Handlungsbedarf an.

(2) Je schneller, desto besser

Im zweiten Abschnitt der Ergebnisse bekommst du alle relevanten Eckdaten deiner Seitenladezeit für die gecachte und ungecachte Variante deiner Seite präsentiert. Wichtig dabei ist: In der Übersicht gibt Webpagetest nur die Werte für einen der drei Tests aus. Welcher das ist, zeigt dir die Übersicht direkt neben den Lables First View und Repeat View an. Run 2 ist also bspw. das Ergebnis für den zweiten Testdurchlauf.

Erklärung der einzelnen Ergebnisse von Webpagetest
Diese Übersicht gibt es leider nur für einzelne Messergebnisse, also einzelne Testdurchläufe. Für die wirklich wertvollen Werte, musst du noch eine Ebene tiefer gehen. Wie das geht erklären ich gleich.

 

Fünf Werte sind jetzt hier besonders wichtig:

  • Load Time: Die Zeit, die deine Seite benötigt, bis der Nutzer den Eindruck hat, die Seite sei vollständig geladen. Die Load Time entspricht also der gefühlten Gesamtladezeit deiner Seite.
  • First Byte: Zeit bis zur Übermittlung des ersten Datenbytes zwischen Client und Webserver. Dieser Wert sollte, wenn möglich, unter 200 Millisekunden liegen und ist ein wichtiges Indiz für die Leistungsfähigkeit deines Hostings.
  • Start Render: Dieser Wert beschreibt die Zeit, die eine Seite lädt, bis dem Besucher zum ersten Mal Inhalt angezeigt wird. Bis zu diesem Zeitpunkt bleibt die Seite für den User vollständig weiß. Auch dieser Wert sollte natürlich so gering wie möglich sein. Zusammen mit der Load Time (bzw. Document Complete) bildet dieser Wert den Bewertungsmaßstab für die gefühlte Websitegeschwindigkeit. Start Render markiert den Beginn des sichtbaren Ladens deiner Seite, Document Complete das Ende.
  • Document Complete: Dieser Wert ist identisch mit Load Time.
  • Fully Loaded: Dieser Wert zeigt an, wann die Seite komplett, mit allen Skripten und Elementen geladen ist. Er beschreibt die technische Gesamtladezeit der Seite. Diese ist für den Besucher meist irrelevant. Wirklich entscheidend ist vor allem die gefühlte Ladezeit.

Für alle diese Werte gilt: Je kleiner, desto besser. Als Richtwert kannst du dir merken:

  • die Time to First Byte sollte kleiner als 200 Millisekunden sein
  • Start Render sollte nicht größer als 2,5 Sekunden sein
  • Document Complete sollte nicht größer als fünf Sekunden sein

Natürlich sind diese Werte nur Daumenregeln. Es kommt immer auch auf deine Seite an: Eine Shopseite mit 50 Produkten – also 50 oder mehr Bildern und Beschreibungstexten – lädt naturgemäß langsamer als eine Impressumsseite, die nur aus Text besteht.

Daher kann ich nur raten: Teste auch die Seiten der direkten Konkurrenz und deiner Vorbilder. So erhältst du brancheninterne Vergleichswerte.

Mittelwerte bilden – Jetzt geht’s ans Eingemachte

Die oben erklärte Übersicht bildet aber leider immer nur die Ergebnisse eines einzelnen Messdurchgangs ab. Und du erinnerst dich: Einzelne, isolierte Werte können dich in die Irre führen. Deshalb hast du für den Test deiner Seite auch mindestens drei aufeinanderfolgende Messungen durchgeführt. Und die Mittelwerte dieser drei Messungen sind die besten Näherungswerte die du für deine Seitenladezeit bekommen kannst.

Und keine Sorge: Das Erstellen der Mittelwerte braucht nur einen Knopfdruck:

Webpagetest Ergebnisse plotten
Mit dem Klick auf die Plot-Option bildet Webpagetest die Mittelwerte für deine Messergebnisse.

Jetzt erhältst du eine zunächst unübersichtliche Datenmenge aus sogenannten Plots. Und das sind genau die Ergebnisse, die du haben möchtest. Im Prinzip ist diese neue Übersicht für alle Werte gleich. Wenn du also einmal verstanden hast, wie du sie lesen musst, sind sie alles andere als verwirrend.

Webpagetest Plotansicht
Diese Plots verdeutlichen hervorragend, warum du immer mehrere Messungen durchführen solltest: Messpunkt 3 ist fast eine Sekunde schlechte als Messpunkt 1. Das Bilden von Mittelwerte ist daher essentiell wichtig für eine professionelle Performanceanalyse.

Wie du sehen kannst sind alle drei Messwerte (1-3) hier in einem Diagramm abgetragen (bemerkenswert ist hier v.a. der Unterschied zwischen Messpunkt 1 und Messpunkt 3!). Über dem Plot befindet sich der Wert auf den sich die das Diagramm bezieht (4). In diesem Fall die gefühlte Ladezeit (Document Complete oder Load Time). Die Zahl in der Spalte Mean beschreibt jetzt den durchschnittlichen Wert der Ladezeit über alle drei Messungen hinweg (5). Dieser Mittelwert ist die wertvollste Info, die du über deine Seite erhalten kannst.

Übrigens: Über das anticken der Box Repeat kannst du dir auch hier die Werte für die Ladezeit mit und ohne Caching ausgeben lassen. Und wenn du die Ergebnisse für die anderen Werte finden möchtest: Suche einfach nach über deine Browsersuche (STRG+F für PCs und cmd+f für Macs) nach den „First Byte“ und „Start Render“.

Zwischenfazit: Viel Arbeit für besonders wertvolle Daten

Ok, das war viel Input. Und es waren viele Arbeitsschritte. Vor allem im Vergleich zu einfachen Testmethoden. Aber der Aufwand lohnt sich, denn du hast es ja an den Zahlen der Diagramme gesehen: Zwei Tests mit denselben Einstellungen können teils eine ganze Sekunde auseinanderliegen. Unter Umständen entscheidet also der Zufall darüber, ob du Zeit und Geld in die weitere Optimierung deiner Seiten investierst, oder nicht. Und gerade, wenn du mit WordPress dein Geld verdienst, sei es mit einem eigenen Shop, einem Webdesign-Buisness oder einer eigenen Agentur, solltest du die beste Datengrundlage für solch eine Entscheidung haben.

Tatsächlich sind wir aber noch nicht am Ende. Denn jetzt kennst du zwar die wichtigsten Performancekennwerte deiner Seite, weißt also wie schnell deine Seite lädt und ob es noch Optimierungspotenzial gibt, du weißt aber noch nicht wo genau deine Seite noch verbessert werden kann. Und genau dafür ist die Detailanalyse gedacht.

Schritt 3: Detaillierte Analyse

Die Übersicht verrät dir schon viel über deine Seite. Du kannst sehen, ob in bestimmten Bereichen noch Verbesserungspotenzial besteht, wie schnell deine Seite tatsächlich lädt und ob sie nicht noch etwas schneller laden könnte. Allerdings erkennst du noch nicht die Ursachen der Probleme. Diese findest du aber in den Detailberichten:

Die Wasserfalldiagramme listen jeden einzelnen HTTP-Request auf, den ein Browser an den Webserver stellt. Diese Diagramme wirken auf den ersten Blick sehr komplex und unübersichtlich. Wenn du aber weißt wie, kannst du aus einem Wasserfalldiagramm mit nur einem Blick sehr viele Details über deine Seite ziehen. Hier zeigen wir, wie du Wasserfalldiagramme richtig liest und wie du sie nutzen kannst, um deine Seite weiter zu optimieren.

Grundlegend gilt, dass eine schnelle Seite ein kurzes Wasserfalldiagramm mit wenigen, kurzen Requests hat. Das heißt, dass besonders die Länge des Diagramms und die Länge der Balken in den einzelnen Zeilen relevant sind.

In der Performance Review findest du Detailinfos darüber, wie gut die Performance deiner Seite bereits optimiert ist. Dieses Detailreview enthält wiederum drei Elemente:

  • die Optimization Checkliste
  • die Detailaufschlüsselung des Performancetests
  • das Glossar

Das Glossar solltest du dir zuerst anschauen, wenn du deine Seite zum ersten Mal mit webpagetest.org analysierst. Hier werden alle wichtigen Begriffe der Performance Review erklärt.

Auszug aus dem Glossar von Webpagetest.
Leider auf Englisch, aber Webpagetest erklärt eigentlich jeden Fachbegriff ausführlich.

In der Optimization Checklist findest du die einzelnen Bewertungskriterien, die jeweils auf jeden der HTTP-Requests angewendet werden. Ein grüner Haken bedeutet die Anforderung ist erfüllt, ein gelbes Dreieck markiert Verbesserungsbedarf, ein rotes Kreuz das Fehlen der vorgeschlagenen Optimierungsmaßnahme.

Ein Auszug aus der Performance Checkliste von Webpagetest.
Mit der Optimization Checklist kannst du bspw. genau sehen welche Bilder deiner Seite noch Optimierungspotenzial haben, welche Anfragen noch weiter komprimiert werden sollten und ob dein Caching richtig funktioniert.

Zuletzt findest du in der Detailsektion eine Beschreibung der Warnungen und fehlenden Optimierungsmaßnahmen. Webpagetest beschreibt für jede Ressource die noch möglichen Optimierungen. Bei Bildern wird bspw. angezeigt, wie viel Datenvolumen eingespart werden kann.

Mit diesen detaillierten Auswertungen musst du dich zwar einige Zeit auseinandersetzen, kannst dir mit ihrer Hilfe aber ein ausführliches Bild deiner Seite und deren Optimierungspotenzial machen.

Und weil es sich im Prinzip um dieselben Infos handelt, die PageSpeed Insights ausspuckt, kannst du natürlich auch einfach eine PageSpeed Analyse parallel laufen lassen. Denn dieser Test ist um einiges hübscher und besser aufbereitet.

Schritt 4: Analyse der gefühlten Ladezeit

Im Gegensatz zu allen anderen uns bekannten Tests ist Webpagetest der einzige, der die gefühlte Ladezeit deiner Seite kostenlos darstellt. Über den Filmstripview kannst du dir ein Video des Seitenaufbaus ansehen. So siehst du ganz genau, was deine Besucher sehen und kannst noch besser bewerten, ob und wie deine Seite optimiert werden sollte.

Webpagetest Filmstripview finden
Den Filmstripview findest du in der Übersicht deines Messergebnisses ganz rechts. Achtung: Nicht immer wird diese Option angezeigt. Warum ist mir selber nicht ganz klar. Ein Wiederholen des Tests hat die Option bisher aber immer zugänglich gemacht.

Die gefühlte Ladezeit ist der wahrscheinlich wichtigste Kennwert deiner Seitenladezeit. Sie beeinflusst, ob deine Besucher die Seite vorzeitig verlassen, die Conversionwahrscheinlichkeit und das Gesamterlebnis deiner Seite. Besonders für Shops ist die gefühlte Webseitengeschwindigkeit daher ein wichtiger Richtwert. Natürlich sollte die gefühlte Ladezeit immer so gering wie möglich sein.

Zusätzlich zum Filmstripview solltest du dir folgendes merken:

Schematische Darstellung der Seitenladezeit
Die gefühlte Gesamtladezeit soll so gering wie möglich sein. Gleichzeitig ist es wichtig, dass der Abstand zwischen T0 und Start Render so gering wie möglich ist. Denn dann bekommt der Nutzer schon sehr früh den Eindruck die Seite sei fertig geladen, selbst wenn sie dies noch lange nicht ist.

Der Filstrip View zeigt dir zehntelsekundengenau wie deine Seite aussieht und welche Prozesse zum jeweiligen Zeitpunkt durchgeführt werden. Wenn du dir den Test mit diesen Daten ansiehst, dann erkennst du, dass sich auf der Seite mehr als drei Sekunden lang nichts tut. Dann sieht die Seite jedoch auf einen Schlag schon fast genauso aus wie im Endzustand. Der Nutzer bekommt also den Eindruck, dass die Seite binnen 3,5 Sekunden fertig geladen ist. Beziehungsweise der Besucher hat bereits nach 3,5 Sekunden das Gefühl, dass er mit der Seite interagieren kann.

Insbesondere beim Priorisieren der sichtbaren Seiteninhalte ist der Filmstrip View also ein sehr wertvolles Werkzeug.

Fazit: Mit diesen Basics und ein bisschen Übung bekommst du einen sehr guten Überblick über deine Seite

Ok, nach dem Lesen des Artikels solltest du jetzt in der Lage sein die richtigen Einstellungen für einen Webpagetest zu wählen, wissen welche Kennzahlen du wie interpretieren musst und wie du Fehlinterpretationen aufgrund von Ausreißern verhinderst. Außerdem weißt du wo du detaillierte Infos zu deiner Seite findest und wie du gefühlte Ladezeit deiner Seite bestimmst und dir anzeigen lassen kannst.

Damit kennst du die wichtigen Grundlagen, um dir einen wirklich umfassenden Überblick über deine eigene Seite, die Seiten deiner Kunden und jedes andere Webprojekt zu verschaffen. Und du weißt, wo du die Informationen herbekommst, die es dir erlauben die Messergebnisse mit Leben zu füllen und sinnvolle Rückschlüsse für deine Seite zu ziehen.

Warum war das aber nochmal wichtig? Ganz einfach: Ohne eine vernünftige Messung des Ist-Zustands deiner Seite kannst du zum einen nicht richtig bewerten, wie deine Seite derzeit lädt. Und zum anderen fehlen dir Infos für die Optimierung der Ladezeit.

Du hast noch einen Tipp für die Verwendung von Webpagetest? Perfekt, dann schreib doch einen Kommentar zu diesem Beitrag!

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