Michael Firnkes Vorstellung interview

Remote arbeiten: Vor- & Nachteile für MitarbeiterInnen und Unternehmen

Seit neun Jahren arbeite ich komplett von Zuhause aus. Zunächst selbstständig, später als Angestellter in Teilzeit. Ich persönlich könnte nicht mehr zurück in ein Büro. Gleichzeitig kenne ich die Herausforderungen der Remote-Arbeit oder des temporären Homeoffice. Ein Erfahrungsbericht für MitarbeiterInnen, Agenturen und Unternehmen.

Seit April 2019 bin ich bei RAIDBOXES. Natürlich reizt mich die Aufgabe, das eigenverantwortliche Arbeiten im Holokratie-Modell, das junge Team (ich bin selbst nicht mehr der Jüngste) und der StartUp-Charakter. Die Entscheidung für das Unternehmen traf ich jedoch aus einem anderen Grund: RAIDBOXES erlaubt mir, nahezu komplett von Zuhause aus zu arbeiten. Und das in Teilzeit. Viele Männer werden immer noch seltsam angeschaut, wenn sie diesen Wunsch äußern.

Für Torben und Johannes von RAIDBOXES war all das kein Problem, obwohl auch sie die Herausforderungen der Remote-Arbeit durchaus im Blick haben. Dazu später mehr. Es gibt mehrere Gründe, warum sich Angestellte und Unternehmen für das Homeoffice als Arbeitsplatz entscheiden:

  • Das Team findet vor Ort oder in der näheren Umgebung keine passenden Fachkräfte.
  • Du willst ganz bewusst von Zuhause aus arbeiten. Weil du dich dort beispielsweise besser konzentrieren kannst oder zeitlich flexibler bist.
  • Dein Privat- und Berufsleben lassen sich nur so in Einklang bringen. Etwa bei kleinen Kindern oder bei einem zeitaufwendigen Arbeitsweg.
  • Das Unternehmen verfügt nicht über ein größeres Büro vor Ort, es wird komplett Remote oder aus dem Ausland heraus betrieben.

Natürlich eignet sich nicht jeder Arbeitsplatz für das Remote-Modell. Doch gerade in Bereichen wie dem (Online-) Marketing, der Softwareentwicklung, im Support oder auch im Vertrieb lassen sich die meisten Jobs gut von Zuhause aus erledigen – ein wenig Kreativität bei allen Beteiligten vorausgesetzt. Hier nun die Vor- aber auch die Nachteile der modernen Heimarbeit.

Tipp: Wir suchen weiter Verstärkung. Werde Teil des RAIDBOXES-Teams – egal ob nun in Münster oder im Homeoffice. Schau dir unsere aktuellen Stellenangebote an.

Meine Vorteile

Am meisten schätze ich die Flexibilität, die mir das Homeoffice bietet. Ich wollte meine Selbstständigkeit nicht komplett aufgeben. Diese erledige ich nun als Freiberufler neben der Teilzeit-Anstellung. Für den Zweitjob (ich halte Seminare im Bereich Onlinemarketing) muss ich des Öfteren verreisen. Gleichzeitig habe ich eine kleine Tochter, um die ich mich zu sehr unterschiedlichen Zeiten kümmere. Beides wäre mit einem klassischen Nine to Five-Bürojob nicht möglich.

Remote Arbeitsplatz
Mein Arbeitsplatz im Homeoffice

Hinzu kommt, dass ich in einem recht speziellen Umfeld arbeite. Unternehmen, die sich auf WordPress fokussieren, gibt es nicht an jeder Ecke. Das Remote-Modell gibt mir die Möglichkeit, in meinem Wunschumfeld zu arbeiten. Und gleichzeitig kann ich Privates und Berufliches unter einen Hut bringen.

Je nach persönlicher Situation gibt es noch weitere Pluspunkte:

  • Konzentriertes Arbeiten: Für mich als kreativer Texter ist dies extrem wichtig. Ich reise ab und an in unser Büro nach Münster. Dort arbeitet ein sehr engagiertes und lebendiges Team. Was die einen lieben, das bedeutet für mich teils die Hölle. Ich brauche nahezu komplette Ruhe, um zu Bloggen oder Content Marketing zu machen. Da helfen selbst keine Kopfhörer & Co. Auch für hochsensible Menschen oder MitarbeiterInnen mit autistischen Zügen kann das Homeoffice ein Segen sein.
  • Kein Arbeitsweg: Du sparst dir den Arbeitsweg. Früher bin ich teilweise zwei Stunden zur Arbeit und zurück gependelt. Das sind 10 Stunden Freizeit pro Woche mehr (auf eine Vollzeitstelle umgerechnet).
  • Familienzeit: Die Kita schließt punkt 16 Uhr und der Partner kann nicht übernehmen? Du bist alleinerziehend oder siehst deine Kinder nur tageweise? Du hast Haustiere? Das lässt sich mit Remote oft besser vereinbaren als mit einem klassischen Bürojob.
  • Private Termine: Der Postbote klingelt nicht zweimal? Einen halben Tag frei nehmen, weil die Wasseruhr abgelesen oder die Waschmaschine geliefert wird? In der Pause schnell zum Friseur? All das ist von Zuhause aus einfacher. Es sollte aber natürlich nicht überhand nehmen und muss gut mit dem Arbeitgeber abgesprochen sein. Wir bei RAIDBOXES haben einen Kanal, über den sich unsere Remote-KollegInnen für derlei kurze Pausen vom Bildschirm an- und abmelden. Dazu später mehr.
  • Kosteneinsparung: Unter Umständen sparst du dir das teure ÖPNV-Abo oder unzählige Kilometer mit dem Auto, wenn du im Remote-Modell arbeitest. Dem gegenüber stehen aber natürlich zusätzliche Kosten für das Homeoffice, die nicht zu unterschätzen sind (Strom, Wasser, Heizung, schnelles Internet). Du kannst deine Kosten für den Fahrtweg teils steuerlich absetzen, unter bestimmten Umständen auch das Heimbüro. Oder du bekommst einen Zuschuss durch den Arbeitgeber.

Gerade beim letzten Punkt kommt es auf eine genaue Kalkulation an. Generell solltest du die Vor- und Nachteile gut gegeneinander abwägen. Denn während manche die Abgeschiedenheit des Homeoffice begrüßen (bessere Konzentration) brauchen andere den Austausch mit ihren KollegInnen. Nur dann können sie überhaupt kreativ arbeiten.

Tipp: Die Remote-Arbeit muss nicht vom Homeoffice aus erfolgen. Wenn du die Vorteile des Modells nutzen willst, ohne den Kontakt zu deinen Mitmenschen zu verlieren, dann kannst du dich auch ganz oder teilweise in einem Coworking-Space einmieten. Solche gibt es mittlerweile in allen größeren Städten und Gemeinden.

Herausforderungen für Angestellte

„Von Zuhause aus arbeiten? Das könnte ich nie!“. Diesen Satz höre ich in so gut wie jeder Diskussion mit Freunden und Bekannten. Klar ist: Nicht jede(r) ist für das Modell geeignet. Andererseits kann man sich an das Arbeiten im Homeoffice auch gewöhnen. Vor allem dann, wenn

  • Es regelmäßig Präsenzzeiten im Unternehmen gibt
  • Du für deinen Job oft zu Kunden, Lieferanten, Kongressen, Fortbildungen etc. reisen musst
  • Du einen Ausgleich durch einen Zweit- oder Nebenjob hast, in dem du sozial aktiver bist

Das trifft auch auf mich zu, selbst wenn ich tendenziell eher ein Einzelgänger bin. Ohne die Seminare, bei denen ich mit vielen unterschiedlichen Menschen in Kontakt komme, wäre mir der Job zu einsam. Ebenso ohne die Tage im RAIDBOXES-Büro in Münster.

Klimapositives WordPress Hosting

Ich habe eine Zeit lang in einem Unternehmen gearbeitet, das komplett Remote aufgestellt war. Das bedeutete, dass ich meine KollegInnen nur etwa zweimal im Jahr gesehen habe – für mich eindeutig zu wenig.

Tipp: Du musst für dich herausfinden, wo hier deine Schmerzgrenze liegt. Idealerweise arbeitest du für ein Unternehmen, das dir bei der Anzahl der Präsenztage im Büro einen gewissen Spielraum lässt. Zumindest so lange, bis du das richtige Verhältnis herausgefunden hast.

Hier hilft es natürlich, wenn du nicht quer durch Deutschland oder gar Europa reisen musst, um zu deinem Arbeitgeber zu kommen. Bei zu viel lokaler Nähe steigt gleichzeitig die Versuchung bzw. der Druck, doch öfters vor Ort zu sein als dir eigentlich lieb ist. Du siehst: An einen Remote-Job sollte man sich langsam herantasten. Zumal sich deine Bedürfnisse im Laufe der Jahre verändern.

Einige Fragen, die du vorab klären solltest:

  • Eigenverantwortung: Weißt du aus bisherigen Jobs oder Projekten, dass du dich auf eine sehr selbstständige Arbeitsweise fokussieren kannst? Oder brauchst du im Gegenteil fortlaufend jemanden an deiner Seite, der dir die Arbeitschritte und Tasks vorgibt?
  • Berufliche Entwicklung: Wirst du als Remote-ArbeiterIn genug „gesehen“? Kommst du ohne den Flurfunk klar? Wenn du ambitionierte Pläne für deine Karriere hast, dann könnte das zum Problem werden.
  • Aufgabenteilung: Kannst du gut mit Briefings via Telefon, Chat oder E-Mail umgehen?
  • Infrastruktur: Verfügst du über die notwendigen Werkzeuge sowie einen abgegrenzten Bereich für dein Homeoffice? Dazu gleich noch mehr.
  • Unternehmenskultur: Haben deine KollegInnen und deine Vorgesetzten bereits Erfahrung mit Remote-Mitarbeitern gesammelt? Ist bereits klar, welche Tools zum Einsatz kommen sollen? Einige davon stelle ich dir später noch vor.
  • Finanzielle Absprachen: Wer kommt für die zusätzlichen Kosten auf, die durch ein Homeoffice entstehen? Ist dies im (höheren) Gehalt eingepreist? Gibt es ein Reisebudget, auf das du zurückgreifen kannst, um regelmäßig zum Firmensitz zu kommen? Und um dort in der Nähe zu übernachten?

Ein weiterer Punkt, der sehr wichtig ist: Beziehst du deine sozialen Kontakte üblicherweise aus dem beruflichen Umfeld? Bzw. ist dein privates Netzwerk stark genug? Gibt dir dein Partner/deine Partnerin genügend Freiraum für das Arbeiten im gemeisamen Heim? Nicht wenige Remote-Worker unterschätzen zu Beginn, wie sehr sich ein solcher Job auf den persönlichen Alltag auswirkt.

Tipp: Manche Remote-Worker arbeiten komplett ortsunabhängig, als sogenannte digitale Nomaden. Lies dir unser Interview mit Michael Hörnlimann durch. Er benennt die Vorteile und Hürden der Arbeitsweise.

Coworking Space
Du kannst von überall aus arbeiten. Oder in einem Coworking-Büro.

Abgrenzung zwischen Beruf und Privatleben

Ich habe mein berufliches und mein privates Leben schon immer möglichst strikt getrennt. Im Homeoffice ist das unablässig – egal ob du nun permanent zu Hause arbeitest, oder ab und an. Nur mit dieser Trennung kannst du deine Aufgaben erledigen. Und nur so läufst du nicht Gefahr, auch noch spät abends oder an deinen freien Tagen „nur mal kurz“ den Rechner anzuwerfen, oder ständig für deinen Arbeitgeber erreichbar zu sein. Achte vor allem auf Folgendes:

  • Kommunikation: Trenne deine Kanäle. Nutze nicht deinen privaten Computer und dein eigenes Smartphone für die berufliche Kommunikation.
  • Dein Schreibtisch: Das Gleiche gilt für deine Unterlagen: Auf deinem Schreibtisch fliegen Arbeitsdokumente und persönliche Rechnungen wild durcheinander? Keine gute Idee.
  • Arbeitszeiten: Stimme mit deinem Arbeitgeber ab, wann du wie erreichbar bist, und wann nicht. Du brauchst in deinem privaten Umfeld Zeiten und Räume, in denen du und deine Familie nicht gestört werden.
  • Erreichbarkeit: Stelle gleichzeitig sicher, dass du zu den vereinbarten Arbeitszeiten auch tatsächlich kontaktiert werden kannst. Ansonsten solltest du dich „abmelden“. Gerade Arbeitgeber, die bislang noch keine Remote-Erfahrung haben, werden sonst schnell misstrauisch.
  • Jetzt nicht: Trotzdem brauchst du in der Regel fest verabredete Slots, in denen du konzentriert arbeiten kannst. Oder du signalisierst in Tools wie Slack, dass du gerade beschäftigt bist. Siehe den entsprechenden Abschnitt weiter unten.

Videokonferenzen und Co. erlauben einen tiefen Einblick in deine Privatsphäre. Auch hier macht ein abgegrenzter Bereich in deinen vier Wänden absolut Sinn.

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Schau zudem, dass du alleine zu Hause bist, wenn du arbeitest. Ab und an lässt es sich nicht vermeiden, dass dein(e) PartnerIn oder deine Kinder anwesend sind, etwa im Krankheitsfall. Hier braucht es eine gute Abstimmung aber auch eine konsequente räumliche Trennung, damit du dennoch vernünftig arbeiten kannst. So ist zumindest meine Erfahrung.

Weitere Tipps für den Alltag als Remote-Worker:

  • Gewöhne dir einen geregelten Arbeitsablauf mit festen Zeiten an, als müsstest du in ein Büro fahren. Dann kannst du dich besser auf den Job konzentrieren.
  • Du musst nicht zwingend ein eigenes Arbeitszimmer einrichten. Aber du brauchst einen eigenen Bereich und einen richtigen Schreibtisch für deine Tätigkeit. Genau wie dein Arbeitgeber solltest du hier auf Ergonomie achten.
  • Arbeite in einer aufgeräumten Umgebung. Du solltest dich wohl fühlen, aber es dir nicht zu gemütlich machen. Die Couch eignet sich nicht als Platz für das Homeoffice.
  • Lege dein privates Smartphone in ein anderes Zimmer. Es lenkt dich sonst zu sehr ab. Dafür mache regelmäßig Pausen.
Zuhause arbeiten
Mach es dir nicht zu bequem. Arbeiten vom Sofa aus ist keine gute Idee.

Vorteile für Unternehmen

Ich kenne viele Firmen, die modern aufgestellt sind, und dennoch das Remote-Arbeiten ablehnen. Zu den Gründen hierfür komme ich gleich noch. Dabei hat das Modell einige Vorzüge:

  • Recruiting: Gerade im technischen Umfeld gibt es wohl kein Unternehmen, das nicht händeringend Fachkräfte sucht. Mit der Öffnung auf Remote erhöht sich das Einzugsgebiet enorm. Vor allem für Firmen in ländlichen Gebieten.
  • Weniger Aufwand: Neue MitarbeiterInnen müssen nicht mehr umziehen, wenn sie für dein Unternehmen arbeiten wollen. So lässt sich eine Zusammenarbeit auch erst einmal testen.
  • Günstiges Arbeitsmodell: Unter Umständen spart das Remote-Arbeiten ordentlich Kosten. Du musst keine zusätzlichen Arbeitsplätze einrichten oder dich gar nach einem neuen Büro umschauen, wenn die Neueinstellungen von Zuhause aus arbeiten.
  • Kundennähe: Wenn das Unternehmen deutschland- oder europaweit agiert: Die Remote-Worker sitzen vielleicht viel näher an einzelnen Kunden, Lieferanten und neuen Märkten. Das kannst du nutzen.
  • Expansion: Langfristig lassen sich auf diese Weise sogar neue Außenstellen gründen.

Der Fachkräftemangel dürfte wohl der wichtigste Punkt sein. Vor allem kleine Unternehmen und StartUps öffnen sich zunehmend der Remote-Arbeit, da sie ansonsten gar keine Chance mehr haben, alle offenen Stellen zu besetzen. Bei RAIDBOXES ist es ganz ähnlich. Für wichtige Positionen fanden wir schneller MitarbeiterInnen.

Tipp: Das Halten guter Angestellter ist fast noch wichtiger und wird von Unternehmen gerne vernachlässigt. Eine sehr geschätzte Kollegin von uns ist von Münster nach Hamburg gezogen, aus privaten Gründen. Ohne Remote-Work hätten wir sie sicherlich verloren.

Herausforderungen für Unternehmen

Natürlich ist das Remote-Modell nicht immer ganz einfach – gerade zu Beginn. Es kann auch scheitern, wenn das Unternehmen oder die MitarbeiterInnen noch nicht reif dafür sind. Die wohl größte Herausforderung ist es, den Kontakt zu den KollegInnen im Homeoffice zu halten:

  • Diese müssen sich in das Team integriert fühlen. Das ist gar nicht so einfach, wenn der tägliche persönliche Kontakt wegfällt.
  • Auch das Unternehmen bzw. die Geschäftsführung muss einen guten Draht und vor allem viel Vertrauen haben.

Remote-Worker spüren instinktiv, ob ihnen dieser Vertrauensvorschuss entgegengebracht wird, oder nicht. Sie merken ebenso, ob sie vom Team vor Ort voll akzeptiert werden, ob sie als Mitarbeiter zweiter Klasse gelten, oder ob es gar Neid ihnen gegenüber gibt. Schließlich genießt man im Homeoffice Privilegien, die im Büro nicht gelten. Hier ist seitens der Geschäftsführung viel Achtsamkeit aber auch Aufklärung gefordert. Sie müssen den Remotern und dem Team gut vermitteln, welche Vorteile das Modell mit sich bringt.

So gelingt es dir, den Kontakt zu deinen MitarbeiterInnen vor Ort zu halten:

  • Präsenzzeiten: Auch Homeworker sollten sich immer wieder einmal für einige Tage im Büro sehen lassen. Den Turnus kann man davon abhängig machen, wie aufwendig die Anreise ist.
  • Soziale Aktivitäten: RAIDBOXES veranstaltet sehr regelmäßig gemeinsame Team-Events. Der Aufwand, uns Remoter hier mit einzubinden, ist nicht unerheblich. Doch Johannes und Torben haben erkannt, dass dies für die Integration sehr wichtig ist.
  • Feedback-Schleifen: Remote-Worker bekommen die Stimmung im Büro nicht mit. Sie haben auch weniger ein Gespür dafür, ob und wie ihre Arbeit ankommt. Hier ist ein gutes Feedback wichtig. Siehe unsere 10 Tipps für eine bessere Feedbackkultur.
  • Infrastruktur: Welche Techniken und Tools braucht es, damit die Zusammenarbeit funktioniert? Das reicht von Systemen für Videokonferenzen bis hin zu einer optionalen Zeiterfassung.

Am wichtigsten für Remote-Worker ist der Zugang zu Informationen. Ich bekomme weder die Diskussionen meiner KollegInnen am Arbeitsplatz noch in der Kaffeeküche oder in der Mittagspause mit. Schnell wird dort etwas erklärt oder vereinbart, was ich eigentlich wissen müsste. Im Unternehmen muss es eine Rolle oder Prozesse geben, welche wichtige Informationen herausfiltern, dokumentieren und in allgemein zugängliche Kanäle stellen. Hier ist die Mithilfe der Remoter gefragt. Sie erkennen am schnellsten, an welchen Punkten wichtige Infos verloren gehen.

Das ist aufwendig, doch am Ende profitieren alle MitarbeiterInnen davon. Schließlich entsteht so ganz nebenbei eine umfassende Dokumentation. RAIDBOXES löst diesen Punkt mit einem internen Wiki und Fachgruppen in Slack. Siehe den Abschnitt „Tools und Meetings“.

Hinweis: Unternehmen sollten wichtige Punkte der Zusammenarbeit mit Remote-Fachkräften schriftlich fixieren. Etwa im Arbeitsvertrag. Dazu gehören Punkte wie Rechte und Pflichten, Arbeitszeiten aber auch das Thema Datenschutz und der Zugriff auf Kundendaten.

Leisten Angestellte im Homeoffice weniger?

Das Homeoffice wird von vielen Unternehmen abgelehnt. Denn es lässt sich nicht in gleichem Umfang kontrollieren wie die MitarbeiterInnen vor Ort. Die Sorge vor dem Remoter, der „Däumchen dreht“, ist mancherorts groß. Gleichzeitig gibt es Studien, die besagen, dass Remote-Worker sogar mehr leisten. Denn Zuhause beschäftigt man sich gerne auch mal Abends noch mit beruflichen Projekten.

Die Wahrheit dürfte irgendwo in der Mitte liegen. Zwar bin ich Zuhause versucht, kurz den Hund auszuführen oder die Wäsche aufzuhängen – dafür sind Pausen da. Auf der anderen Seite fällt die Ablenkung am Arbeitsplatz durch andere KollegInnen weg. Ein Punkt, den man erfahrungsgemäß nicht unterschätzen sollte. Fast jede Fachdiskussion gleitet irgendwann in privates Geplänkel ab. Und wenn mich jemand an meinem Schreibtisch unterbricht, fange ich jedes Mal wieder ein Stück weit von vorne an. Remoter können sich hier einen geschützteren Rahmen gestalten.

Arbeiten im Büro
Nur Unsinn im Kopf? Das geht auch im Büro.

Die Diskussion, wo nun mehr oder weniger geleistet wird, ist meines Erachtens gar nicht zentral. Es kommt darauf an, ob meine MitarbeiterInnen motiviert sind – unabhängig vom Arbeitsort. Denn sich wegducken und eine „ruhige Kugel schieben“, das geht auch im Büro. Letztendlich ist es eine Frage der Unternehmenskultur. Auch hier helfen Modelle wie die Holokratie, um eigenverantwortliches Handeln zu fördern.

Wer als Remoter eine Tätigkeit ausübt, die erfüllend ist und Wertschätzung erfährt, der wird genauso viel Einsatz zeigen. Remote-Worker sind oft sehr loyale Mitarbeiter. Denn sie wissen zu schätzen, was das Unternehmen ihnen bietet.

Tools und Meetings

Es braucht die richtigen Werkzeuge, um MitarbeiterInnen vor Ort in die Arbeitsprozesse einzubinden. Es hängt von deinen Prozessen und deiner bestehenden Softwarelandschaft ab, welche sich für dich eignen. Hier eine kleine Auswahl:

  • Slack: Slack ist eine Art Chat-Tool für Unternehmen, mit dem sich MitarbeiterInnen und Teams austauschen können. Du kannst damit auch Dateien verschicken, Reminder erstellen, in Gruppen telefonieren oder sehr schnell Videokonferenzen aufsetzen. Es eignet sich für die schnelle Bürokommunikation ebenso wie für den Austausch mit Remotern oder externen Fachkräften. Wir bei RAIDBOXES arbeiten sehr erfolgreich mit Slack.
  • Videokonferenz: Wir nutzen Google Hangouts für Videokonferenzen, trotz Slack. Denn die Qualität ist bei Slack nicht immer wirklich gut. Unser Konferenzraum in Münster ist mit dem passenden Equipment ausgestattet, damit wir uns sehen aber auch Bildschirme teilen können (Kameras, Mikro, Airtame). So können die Remoter bei Bedarf an allen Meetings teilnehmen.
  • Virtuelle Meeting-Räume: Wir haben in Google Hangouts virtuelle Räume für jeden Remote-Standort eingerichtet. Sie sind über einen Link in unserem WordPress-Dashboard sehr einfach erreichbar. So kann man sich schnell mit einem oder mehreren Remotern in „Hamburg“, „Magdeburg“ oder „Freiburg“ treffen.
  • Projektmanagement: Ein gutes Projektmanagement-Tool ist für jedes Unternehmen wichtig, das im technischen Umfeld und mit gemischten Teams arbeitet. Ich trage dort alle meine Tasks ein. So wissen meine KollegInnen jederzeit, woran ich arbeite. Und es hilft mir bei der Eigenorganisation. Wir arbeiten derzeit mit Zoho, aber auch mit Trello habe ich gute Erfahrungen gemacht.
  • Redaktionsplanung: Gerade verteilte Content-Teams müssen sich gut organisieren. Der Klassiker ist hier immer noch Excel – oder Google Sheets als moderne Variante. Im Netz findest du unzählige Vorlagen für Redaktionspläne.

Noch ein paar Worte zu Slack: Kanäle für Gruppen und Themen sind dort ein wichtiges Instrument, damit es nicht zu einem Wildwuchs kommt. Wir haben beispielsweise einen Kanal, indem wir uns zu Pausen ab- und anmelden. Und sogar eine „Kaffeeküche“ für den Smalltalk. Oder einen Kanal rein für Marketingthemen. Jeder kann für sich selbst entscheiden, wo er mitlesen möchte.

Es gibt mittlerweile Roboter, mit denen sich Remote-Worker zu den Arbeitsplätzen ihrer Vor-Ort-KollegInnen bewegen können, um dort virtuell mit ihnen zu sprechen. Siehe diesen Anbieter. Wir überlegten kurz, einen solchen anzuschaffen. Einige Mitarbeiter hatten jedoch Datenschutz-Bedenken. Diese solltest du generell berücksichtigen, bei allen Werkzeugen.

double hallway
Der „Double“ im Einsatz. Bild © Double Robotics

Du kennst noch mehr Tools? Wie zufrieden bist du mit den genannten Lösungen? Ergänze deine Erfahrungen oder Tipps gerne in den Kommentaren.

Mein Fazit

Remote-Work bringt mehr Flexibilität für MitarbeiterInnen und Unternehmen gleichermaßen, wenn du folgende Hinweise berücksichtigst:

  • Es braucht eine Weile, bis die passenden Prozesse stehen. Zu Beginn sollten Remoter und die Teams vor Ort in einem ständigen Austausch stehen, was sich wie optimieren lässt. Die notwendigen Ressourcen hierfür müssen vorhanden sein.
  • Du brauchst gute soziale Kontakte außerhalb der Arbeit, wenn du hauptsächlich im Homeoffice arbeitest.
  • Informationen im Unternehmen müssen für alle frei zugänglich sein.
  • Remote-Worker sollten sich regelmäßig mit den Büroteams treffen, zusätzlich zu den virtuellen Meetings.
  • Das Remote-Modell eignet sich nicht für sehr kontrollierende Unternehmer-Persönlichkeiten.

Ich wünsche dir viel Erfolg bei deinem Remote-Job, oder beim Aufbau eines entsprechenden Teams.

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Weitere Beiträge zum Thema

Hier noch einige weiterführende Links für MitarbeiterInnen, Agenturen und Unternehmen:

Bilder: Alif Pratama, Shridhar Gupta, Damir Kopezhanov

4 thoughts on “Remote arbeiten: Vor- & Nachteile für MitarbeiterInnen und Unternehmen

  1. Ausgezeichneter Beitrag Michael! Ich wollte den Beitrag von Michael Hörnlimann damals schon kommentieren, weil der Beitrag so toll geschrieben war. Deshalb finde ich es echt super dass Ihr das Thema mit all seinen Facetten nochmal erwähnt habt.

    Ich kann das Thema zwar nur aus der Erfahrung eines Arbeitnehmers kommentieren, allerdings stimme ich dir in allen Punkten zu. Auch bei Home Office / Remote Arbeiten ist es zwingend erforderlich Privates und Berufliches zu trennen. Eine Couch mag zwar zu Anfang funktionieren, aber die Erfahrung sagt mir, dass man irgendwann nicht drumherum kommt einen seperaten Arbeitsbereich aufzubauen damit die Produktivität nicht leidet. Auch das Arbeiten aus Cafés ist eine wunderbare Möglichkeit etwas Abwechslung in das Home-Office zu bringen und die eigenen 4 Wände zu verlassen. Ganz hifreich ist es wenn es ein Café ist, indem andere Menschen auch an Ihren Laptops arbeiten, dass kann jemanden ungemein anspornen auch produktiv zu sein.

    Unternehmen sollten sich unbedingt mit der Frage des Datenschutzes auseinandersetzen. Dieser Bereich ist meiner Meinung nach eine starke Grauzone und zumindest nach meinem eigenen Verständnis sind einige Branchen rechtlich automatisch von der Telearbeit bereits ausgeschlossen, bzw. die Umsetzung viel zu komplex. Ich würde mir wünschen, dass auch die Politik diesem Themen gegenüber etwas ausgeschlossener wäre.

    Empfehlen kann ich auch den Flyer „Telearbeit – Ein Datenschutz-Wegweiser“ welcher durch den Bundesauftragten für Datenschutz & Informatiosfreiheit veröffentlicht wird. Klasse Einstieg um sich mit dem Thema auseinanderzusetzen.

    Toller Beitrag & Liebe Grüße,
    -Dominik

    1. @Dominik: Danke! Dein Keyword-Beitrag hat mich inspiriert 😉

      Ja es ist Klasse, wenn jemand wie Michael Hörnlimann Einblicke in seinen Arbeitsalltag gibt. Schließlich fragen sich viele Angestellte aber auch Selbstständige etc., ob sie den passenden Weg eingeschlagen haben. Und auch im privaten Leben kann sich viel ändern. Dann dienen solche Berichte hoffentlich als Inspiration. Mir etwa hat die Remote-Work extrem geholfen, in einer schwierigen Phase mein Privat- und Arbeitsleben wieder in den Griff zu bekommen.

      Ich finde es nur schade, dass Texte wie der von Michael in den sozialen Netzwerken so viele Hater anziehen. Neid und Häme scheinen leider ein weit verbreitetes Phänomen zu sein. Aber auch da überwiegen zum Glück die positiven Stimmen. Leben und Leben lassen wäre hier ein entspannterer Umgang. Man muss seine Lebensweise ja nicht mögen, aber kann sie tolerieren.

      Danke für den sehr wichtigen Hinweis auf den Datenschutz. Ich habe das im Beitrag nur angeschnitten. In meinem Fall ist es auch nicht so dramatisch, da ich „nur“ blogge und keinen Zugriff auf Kundendaten etc. habe. Aber in anderen Jobs muss das gut abgesichert sein, absolut.

      Ich weiß aus meinen Zeiten mit Salesforce, dass man über Verträge aber auch technische Lösungen sehr viel sauber lösen kann, so dass verteiltes Arbeiten auch in kritischen Umfeldern möglich ist. Aber da sollte man sich auf jeden Fall ExpertInnen ins Haus holen für solche Themen. Ein Punkt, der ebenfalls in die Kalkulation für Remote einfließen muss.

  2. Toller Bericht Michael!

    Die Vor- und Nachteile würde ich so unterschreiben. Als ich noch für eine Webagentur remote gearbeitet habe, hat dies ganz gut geklappt. Ausschlaggebend ist da wirklich das gegenseitige Vertrauen.
    Was mir da etwas gefehlt hat, war in der Tat der Austausch mit den Kolleginnen und Kollegen, die im Büro waren. Dieser Umstand war glaube ich auch für sie komisch und es kamen immer wieder lustige (gut gemeinte) Sprüche, wann ich denn das nächste Mal im Büro auftauchen würde.

    Bei den Coworking-Spaces im In- und Ausland habe ich die Erfahrung gemacht, dass es riesige Unterschiede gibt. Sowohl die Einrichtung ist teilweise komplett anders aber auch die Community ist teilweise sehr lebendig und an anderen Orten wiederum gar nicht. Sprich, wenn ich in einem Coworking alleine oder mit 1-2 anderen Menschen bin, ist die Arbeit in einem Café oder im Home-Office für mich attraktiver.

    Bezüglich Meetings und Video-Konferenzen:
    Da handhabe ich es teilweise auch einfach so, dass ich die Kamera nicht freischalte, weil es nicht notwendig ist. So kann mich die andere Partei zwar hören, aber nicht sehen. Screen-Sharing funktioniert dann aber ebenfalls problemlos, was ich sehr wertvoll finde.

    Bei den Tools möchte ich mich mittlerweile wirklich nicht mehr auf VPN verzichten. Insbesondere auf Reisen oder in manchen Cafés ist das Netzwerk offen, da hilft VPN enorm, um trotzdem sicher unterwegs zu sein.

    Bezüglich den Hatern im „sozialen“ Netz:
    Das habe ich in der Zwischenzeit durch eure Mitarbeiterin, welche jetzt in Hamburg ist, mitbekommen. Schon erstaunlich, was da auf Twitter so geschrieben wurde. Einer der Gründe übrigens, weshalb ich komplett auf solche Plattformen verzichte (es ist zwar nicht real, hinterlässt aber bei vielen Menschen tiefe Spuren habe ich das Gefühl, insbesondere wenn es negativ wird).

    Und zum Schluss: Ein Hobby ist absolut zentral für mich, da ich sonst zu sehr vereinsamen würde (obwohl ich selbständig und nicht remote für ein Unternehmen arbeite).

    Viele Grüsse
    Michael

    P.S.: Welcher Co-Working-Space ist das auf dem Bild mit den zahlreichen Glühbirnen?

    1. @Michael2))

      Freut mich, von dir zu hören! Ich wollte eigentlich auch schon längst auf deinen Beitrag kommentiert haben. Nun eben so.

      Ich kann dich sehr gut verstehen, warum du bei Social auf Abstand gehst. Jedes mal, wenn ich privat oder beruflich auf Twitter gehe, ärgere ich mich über irgendetwas. Meist sind es die Umgangformen und die sehr unachtsame Art dort, miteinander umzugehen. Vieles wird zu einem Skandal hochgebauscht. Oder eben niedergemacht. Wirklich lesen, oder Quellen prüfen, das macht kaum jemand. Bei Instagram dagegen ist die Selbstbeweihräucherung und Inszenierung oft kaum auszuhalten. Bleib standhaft.

      Zu deinen Remote-Punkten: Es ist sicher eine Frage der Persönlichkeit, wie sehr man die Kontakte vor Ort vermisst, oder eben nicht. Aber auch als Einzelgänger läuft man Gefahr, das Fehlen direkter Kontakte zu unterschätzen. Wenn man sich zu sehr abkapselt, dann kann man nicht erwarten, vom Team vor Ort gesehen oder auch groß respektiert zu werden. Von daher braucht es die gemeinsamen Offline-Termine auf jeden Fall.

      Gut, dass du das mit der Kamera ansprichst. Ich fühle mich nie wohl mit Kameras. Lasse sie aber an, weil meine KollegInnen sie auch anhaben. Wenn ich sie sehe, sollen sie mich auch sehen dürfen. Vielleicht ist es unbewusst auch der Gedanke: Hej, seht her, ich arbeite gerade und sitze nicht am Strand. Dieses sich unter Beweis stellen als RemoterIn, das bekommt man wohl nie ganz los, zumindest ich nicht. Aber es wird besser und entspannter. Gerade wenn das Team passt, so wie hier bei RAIDBOXES.

      Ich selbst habe keine Erfahrung mit Coworking-Spaces, immer nur Homeoffice. Von daher muss ich gestehen, dass das Bild ein Stockphoto von Unsplash ist. Peinlich, weil ich in den Seminaren immer erzähle: Meidet Stockphotos! Sie wirken unpersönlich, wenig authentisch und konvertieren schlechter. Aber hier hatte ich kein eigenes Foto..

      Leefke, die du erwähnst, arbeitet neu ebenfalls Remote für uns. Teils auch in Coworking-Spaces. Genau aus dem Grund, weil ihr der persönliche Kontakt fehlt. Vielleicht hat sie noch ein paar Tipps, auf was man dabei als RemoterIn achten sollte. Oder schreibt bei Gelegenheit einen Blogbeitrag dazu.

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