Nachhaltigkeit für Agenturen und Freelancer

Nachhaltigkeit: Was können Agenturen, Freelancer und Unternehmen konkret tun?

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Immer mehr FreiberuflerInnen und Agenturen wollen nachhaltig arbeiten. Doch was bedeutet das eigentlich? Und welche Maßnahmen eignen sich am besten? Stephie Keilholz und Philipp Stakenborg von der Agentur Das Gute Ruft verraten dir mehr in unserem Interview.

Als Kreativagentur für nachhaltige Unternehmen und Projekte wollt ihr mit gutem Beispiel vorangehen. Was sind die wichtigsten Stellschrauben in eurem Büro bzw. bei der Arbeit, um selbst Gutes zu tun?

Auf der Reise in die Nachhaltigkeit gibt es viele kleinere und größere Schritte, die Unternehmen und Organisationen antreten können. Die gute Nachricht: Die Reise macht verdammt viel Spaß, ist gut für die Welt und gibt Mitarbeiter*innen einen höheren Sinn als beispielsweise ein schickes Büro mit Tischkicker.

Unser Büro läuft mit Ökostrom, genau wie unser klimapositives Hosting bei Raidboxes. Datenschutz liegt uns am Herzen, darum kommt unsere Website ohne jegliche Tracker, Cookies oder Datenkraken aus. Ein positiver Nebeneffekt: Pro Page View werden so nur etwa 0,46g CO2 emittiert, was 76% besser als der Durchschnitt ist (siehe den Website Carbon Calculator).

Website Carbon Tester
Der Website Carbon Tester

Wir vermeiden Plastikmüll, unnötige Neukäufe und sind große Recycling-Fans. Als Startschuss können wir anderen Unternehmen die gemeinsame Teilnahme an Monats-Challenges wie dem Plastic Free July empfehlen. So rückt der Klimaschutz in den Fokus aller Mitarbeiter*innen.

Eine sehr große Stellschraube – auch wenn sie die Büroarbeit nur indirekt betrifft – ist das Thema Ernährung: Wir ernähren uns rein pflanzlich und weitestgehend regional. Seit diesem Jahr sogar teilweise aus unserem eigenen Gemüsegarten. Die erste Ernte ist aber noch recht überschaubar ausgefallen. Wer klein anfangen will, kann einen pflanzlichen Donnerstag einführen und gemeinsam im Team vegane Gerichte entdecken. Zusätzlich können Unternehmen bei Events auf ein rein veganes Catering setzen. Das idealerweise auch noch low waste ist, also mit wenig Verpackungsmüll.

Klimapositives WordPress Hosting

Geschäftsreisen sind eine weiterer großer Faktor im CO2-Fußabdruck: Pro Stunde starten allein in Deutschland 21.400 solcher Aktivitäten, also knapp 187,5 Millionen Geschäftsreisen pro Jahr. Fliegen ist hierbei die klimaschädlichste Art, um zu einem Geschäftstermin zu kommen. Daher lohnt sich die Anreise per Zug. Bei vielen Abstimmungen eignet sich auch ein digitales Meeting.

Das ist nicht nur in puncto Nachhaltigkeit gut, sondern entlastet Mitarbeiter*innen auch von zu viel Reisestress. Wir selber haben uns 2017 entschieden, privat und beruflich nicht mehr zu fliegen. Im Sommer haben wir hierzu eine Kampagne gestartet: www.lovingtheatmosphere.org.

Ökologische Geschäftsreisen
Die Initiative lovingtheatmosphere.org

Unternehmen sollten ihre Mitarbeiter*innen bei der Auswahl nachhaltiger Verkehrsmittel unterstützen und hier Anreize für mehr Nachhaltigkeit geben. Zum Beispiel Sonderurlaub für Mitarbeiter*innen, die auf geschäftliche Flüge verzichten und stattdessen den Zug nehmen.

Wie Mitarbeiter*innen täglich zur Arbeit kommen hat auch einen großen Einfluss auf den CO2-Fußabdruck: mit dem Zug oder Fahrrad ist das tägliche Pendeln deutlich nachhaltiger als mit dem (Dienst-) Auto. Auch Homeoffice-Tage oder Vollzeit-Remotework können Emissionen reduzieren.

Tipp: Remote bzw. im Homeoffice zu arbeiten bringt einige Herausforderungen mit sich. Mehr hierzu erfährst du in unserem Blogbeitrag Remote arbeiten: Vor- & Nachteile für MitarbeiterInnen und Unternehmen.

Das Thema Weiterbildung kann ebenfalls “grün” aufgeladen werden. Der Besuch von Events im öko-sozialen Kosmos gibt uns regelmäßig neue Impulse. Und es fördert den Wissenstransfer bei den eigenen Nachhaltigkeitsbemühungen.

Wer die genannten Stellschrauben schon im Fokus der eigenen unternehmerischen Tätigkeiten hat, kann sich auch Initiativen wie Entrepreneurs 4 Future anschließen. Oder zum Beispiel das Sustainable Web Manifesto unterschreiben.

Entrepreneurs 4 Future
Entrepreneurs 4 Future treten für den Klimaschutz ein

Zu guter Letzt möchten wir allen Agenturen, Freelancer*innen, Unternehmen und Mitarbeiter*innen ans Herz legen, für den Klimaschutz auf die Straße zu gehen. Fridays for Future ruft zum 4. Globalen Klimastreik am 29. November auf. Wir sind natürlich auch mit dabei!

Es ist gar nicht immer so einfach, gute nachhaltige Lieferanten zu finden. Wir haben bei uns etwa lange recherchiert, was eine bessere Ökobilanz hat: Handtücher aus Stoff vs Papiertücher vs Mehrweg-Handtuchrollen für die MitarbeiterInnen. Wie ist euer Weg, die jeweils „grünste“ Lösung zu finden?

Die Recherche ist nicht immer leicht, da es noch immer viele “nicht-nachhaltige Lösungen” da draußen gibt. Wir wären begeistert, wenn Lieferanten, Tools und Produkte den ökologischen Fußabdruck angeben würden. Das ist wohl aber zur Zeit noch eine Zukunftsvision.

Wir halten immer unsere Augen und Ohren offen, was Hersteller*innen angeht, die schon heute zukunftsweisend sind. Auch Messen bringen uns hier in Kontakt mit guten Dienstleister*innen. Beispielsweise die Green World Tour.

Tipp: Kann es überhaupt ein nachhaltiges Internet geben? Und wie „grün“ ist WordPress? Lies dazu mehr in unserem Beitrag zu WordPress und Nachhaltigkeit.

Einige Kriterien helfen uns bei der Auswahl:

  • Nutzt das Unternehmen Ökostrom?
  • Hat das Unternehmen eine Gemeinwohl-Bilanz erstellt?
  • Wenn es sich um ein physisches Produkt handelt: wo kommt es her, wie lange ist der Anfahrtsweg? Unter welchen Bedingungen wurde es hergestellt? Wie langlebig ist es?
  • Werden wirklich nachhaltige Materialien verwendet? Gerade dieser Punkt ist knifflig, da es viele Siegel und Zertifizierungen gibt, die nicht alle unbedingt tatsächlich ökologische Produkte auszeichnen.
  • Kann man das Produkt auch Second Hand kaufen?
  • Wie machen es andere, die ebenfalls ähnliche Ansprüche an Nachhaltigkeit stellen wie wir?

Und natürlich immer die Frage: brauche ich das wirklich? Denn am nachhaltigsten ist es, wenn etwas gar nicht erst hergestellt werden muss.

Führt ökologisch-soziales Handeln tatsächlich zu mehr Kosten, so dass kleinere Unternehmen hier benachteiligt sind? Oder ist das ein Scheinargument?

Nein, ökologisch-soziales Handeln führt nicht unbedingt zu Mehrkosten:

  • Nachhaltige Anbieter*innen von Onlinediensten oder Produkten sind nicht unbedingt teurer
  • Nachhaltige Produkte sind in der Regel langlebiger als konventionelle Produkte
  • Auf Nachhaltigkeit in allen Unternehmensbereichen zu achten, kann durchaus sehr sparsam sein: weniger produziertes Marketingmaterial, Verzicht auf Einwegprodukte, die immer wieder neu gekauft werden müssen, stromsparende Beleuchtung etc.

Wenn man bedenkt, dass die tatsächlichen Kosten (Arbeitsbedingungen, ökologische Zerstörung, etc.) bei den meisten Anbieter*innen nicht einberechnet werden, dann sollten wir auch abseits vom Faktor Geld immer die Entscheidung für einen ökologisch-sozialen Anbieter treffen.

Ihr setzt auf das klimapositive Hosting von RAIDBOXES. Wie seid ihr drauf gekommen? Und wie zufrieden seid ihr damit, abseits vom ökologischen Aspekt?

Mit RAIDBOXES sind wir super zufrieden, mehr noch begeistert: Performance, Support, Unternehmenswerte – mit euch haben wir unseren absoluten Lieblings-Hostinganbieter gefunden. Gutes spricht sich rum: Wir sind über eine Empfehlung aus unserem öko-sozialen Netzwerk auf euch gestoßen. Dort war man von eurem Dashboard, der Performance und auch eurem Affiliate System begeistert.

Free Dev Programm RAIDBOXES

Das Gute Ruft ist eine öko-soziale Kreativagentur. Wer zählt zu euren KundInnen?

Zu unseren Kund*innen zählen zum Beispiel die Petitionsplattform Change.org, das Social Entrepreneurship Netzwerk Deutschland (SEND e.V.), die Engagementplattform vostel oder auch das Umweltamt Wiesbaden. Gemeinsam haben die Projekte, dass sie sich den drängenden Fragen unserer Zeit stellen. Und dass sie auf sozialer und/oder ökologischer Ebene eine positive Veränderung anstreben.

Wählt ihr eure KundInnen selbst aus? Bzw. lehnt ihr auch Projekte ab, wenn sie nicht euren Kriterien für Nachhaltigkeit entsprechen?

Wir sind eine wertegetriebene Agentur und arbeiten ausschließlich mit ökologischen oder sozialen Projekten zusammen. Um zu prüfen, ob eine neue Projektanfrage zu uns passt, werfen wir zuallererst einen Blick auf die Mission und Vision der Organisation. Und wir schauen uns die Website und das Produkt bzw. die Dienstleistung genauer an.

Wir klären ab, welche der 17 Ziele (SDGs) verfolgt werden, in welchem Rahmen das Projekt stattfindet und wer die involvierten Partner*innen oder Förder*innen sind. Dies gibt uns ein gutes Gefühl, ob wir die richtige Agentur für das Projekt sind. Falls es nicht so recht passt, lehnen wir die Anfrage ab: Wir bieten nur an, wovon wir überzeugt sind. Und unterstützen nichts, was die Welt oder unsere Kund*innen nicht weiterbringt.

Es gibt bereits genug Agenturen da draußen, die Profit an oberste Stelle ihrer unternehmerischen Ziele stecken. Wir glauben, dass es mehr wertegetriebene Agenturen braucht. Denn als kreative Dienstleister*innen können wir uns unmittelbar an der Verbesserung des Status Quo beteiligen.

Ein paar Worte zu euch und eurem Team?

Hinter Das Gute Ruft stecken Stephie Keilholz und Philipp Stakenborg. Nachdem wir beide jahrelang in konventionellen Marketingjobs und Agenturprojekten arbeiteten, haben wir im April 2018 unsere öko-soziale Kreativagentur gegründet. Um den Fokus unserer Arbeit auf die Organisationen zu legen, die sich für eine bessere Welt einsetzen.

Das Gute Ruft Team
Stephie Keilholz und Philipp Stakenborg

Wir glauben fest an die transformativen Kräfte von Design und gutem Marketing. Beide Disziplinen haben die Fähigkeit, Kommunikation zu vereinfachen, Erlebnisse zu verbessern, Menschen anzusprechen und zu begeistern.

Du hast Fragen an Stephie und Philipp? Nutze gerne die Kommentarfunktion. Du willst mehr aktuelle Beiträge zu WordPress und Nachhaltigkeit? Dann folge uns auf Twitter, Facebook oder über unseren Newsletter.