Noch ist gutenberg nicht zu gebrauchen

“Gutenberg ist derzeit nicht zu gebrauchen”

Ihn plagen noch ein paar Kinderkrankheiten, doch der neue WordPress-Editor Gutenberg ist bereits in der Beta ein beeindruckendes Plugin. Denn das neue Block-System beeindruckt beim Testen und macht einem das Potenzial von Gutenberg bewusst. Leider gibt es derzeit ein großes Problem: Er ist nicht für den Live-Betrieb geeignet.

100.000 aktive Installationen: Das ist die magische Grenze, die Matt Mullenweg ausgegeben hat. Sollte der neue Gutenberg Editor so viele aktive Installationen erreichen, würde das Plugin in den WordPress-Core integriert.

I’d like to give Gutenberg some extra gestation time as a plugin, ideally getting it to 100k active sites over the next month or two, before we merge.

– Matt Mullenweg, 16. Juni auf WordPress.org

Derzeit dümpelt Gutenberg allerdings bei ca. 700 aktiven Installationen und etwas mehr als 3.300 Downloads umher. Und: Meiner Meinung nach ist die Grenze von 100.000 aktiven Nutzern utopisch. Denn das Beta-Stadium macht den Editor für den Live-Betrieb unbrauchbar. Zu groß ist die (wahrgenommene) Gefahr, dass WordPress unkontrolliert crasht oder das Plugin bestehende Inhalte zerschießt. Und: Der Anteil der Seiten mit WordPress 4.8 ist hierfür noch zu gering.

Aktuell hat der gutenberg Editor gerade einmal 700+ aktive Installationen.
Von Mullenwegs Ziel ist der Gutenberg Editor noch etwas mehr als 99.200 aktive Installationen entfernt. Fraglich, ob das ohne aktive Werbung erreichbar ist.

Natürlich hat Software in der Beta-Phase noch mit Bugs und Fehlern zu kämpfen. Im Fall von Gutenberg sind das bspw. die Tabellen- und Button-Blöcke. Doch gerade das Beta-Stadium und die damit einhergehenden Warnhinweise werden die Verbreitung von Gutenberg in der ersten Zeit hemmen. Und zwar gerade beim Gros der WordPress-Nutzer, die tendenziell nicht über eigene Enwicklungsumgebungen verfügen und das Plugin somit nicht gefahrlos testen können. Noch ist übrigens nicht bekannt wann die Beta-Phase enden soll. Vielmehr hat Mullenweg vor Kurzem angekündigt, dass WordPress 5.0 ein Gutenberg-zentriertes Update werden soll.

Die gutenberg Pluginübersicht. Noch wird explizit vor der Verwendung im Livebetrieb gewarnt.
Der explizite Warnhinweis dürfte viele Nutzer ohne Entwicklungsumgebung oder den unbedingten Willen zum Test zumindest zweimal überlegen lassen.

Zudem ist Gutenberg lediglich mit WordPress-Installationen ab Version 4.8 kompatibel. Und das sind derzeit gerade einmal 19,7 Prozent der von wordpress.org erfassten Seiten. Kombiniert man diese Zahl mit Daten von w3techs.com, so ergibt sich eine geschätzte Zahl von 550.000 WordPress-Seiten, mit denen Gutenberg kompatibel ist. Ergo müssten 20 Prozent dieser Seitenbetreiber Gutenberg auf ihrer Live-Seite oder einer Testumgebung installiert haben, um die anvisierte Hürde zu knacken.

Die aktuelle Verteilung der WordPress-Versionen
Unter wordpress.org/about/stats sind bspw. die aktuellen Zahlen über die Versionsverteilung einsehbar.

Zugegeben: Diese Rechnung ist stark vereinfacht und sicherlich gibt es einen besseren Näherungswert. Aber sie macht deutlich wie lang und steinig der Weg zu den 100.000 aktiven Installationen noch ist. Hier gilt es insbesondere WordPress 4.9 abzuwarten. Denn kommt es hier zu einer Versionsverteilung wie aktuell bei WordPress 4.8 und 4.7, sieht die Sache schon ganz anders aus.

Für wie realistisch er seinen eigenen Schwellenwert hält, welche Planänderungen sich das Team vorbehält und ob und wie Mullenweg eine Integration ohne das Erreichen der 100.000er Marke forcieren würde, ist bisher unklar. Wohl auch, um sich den nötigen Handlungsspielraum zu erhalten. Denn nach allem, was mir bisher an Aussagen zum neuen Editor zu Ohren gekommen ist, wirkt es auf mich so, als würde Mullenweg, sollte es Spitz auf Knopf stehen, auf eine Integration des neuen Editors drängen.

Und nach allem, was ich bisher von dem neuen Editor gesehen habe, wäre das auch gut so! Denn Gutenberg kann tatsächlich die von Mullenweg beschworene “Basis für die Zukunft der Individualisierung von Content in WordPress” werden. Und zwar vor allem aufgrund seines neuen Block-Systems.

Mit den Blöcken geht das Strukturieren und Layouten von Beiträgen so einfach von der Hand wie noch nie. Die Blöcke fordern das Verwenden von Absätzen und Zwischenüberschriften regelrecht ein. Und dabei haben die Macher, Joen Asmussen und Matias Ventura, schon sehr viele praktische Funktionen für Publisher bedacht: Von der Gestaltung von Initialen, über Listen und Bildergalerien, bis hin zur Videointegration.

So sieht der neue gutenberg Editor im Betrieb aus.
So sieht der Gutenberg Editor aus: Aufgeräumt, textzentriert und übersichtlich.

Ich befürchte jedoch, dass Gutenberg – solange das Plugin eine Beta-Version mit dem obligatorischen Warnhinweis bleibt – ein Schattendasein in Staging-Umgebungen, Seitenklonen und lokalen Testumgebungen fristen wird. Daher freue ich mich schon sehr auf die Vollversion und das nächste große WordPress-Update. Das Ziel von Mullenweg, die 100.000 Installationen in den nächsten “ein bis zwei Monaten” zu erreichen, scheint mir aber utopisch zu sein. Realistischer wirkt da schon das Vorhaben, Gutenberg in WordPress 5.0 zu integrieren. Gerne auch unabhängig von der 100.000er-Grenze.

 

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