Websitegeschwindigkeit

Mehr Gefühl bitte beim Testen der Webseiten-Geschwindigkeit

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Die Ladezeit einer Website ist wichtig. Keine Frage. Für das Nutzererlebnis und die Conversion. Doch für den Besucher ist nicht die tatsächliche Ladezeit ausschlaggebend, sondern die gefühlte Webseiten-Geschwindigkeit. Denn ein Nutzer erlebt eine Website ohne Kenntnis der Messwerte. Die gefühlte Ladezeit ist daher ein wichtiger Wert für die Optimierung der Conversion- und Absprungrate. Wir zeigen wie du sie zuverlässig misst.


Jeder kennt das: Man hat ein spannendes neues Produkt entdeckt oder den Link zu einem vermeintlich spannenden Blogartikel gefunden, klickt auf den Link und es tut sich erstmal: nichts. Die Seite bleibt ein paar Sekunden weiß und im Anschluss bauen sich quälend langsam die Seitenbestandteile auf. Der Kauf oder die Anmeldung für einen Newsletter ist auf so einer Seite eher unwahrscheinlich.

Die Kollegen von Kissmetrix haben sich schon vor einiger Zeit mit dem Zusammenhang zwischen Seitenladezeit und der Conversionrate in Shops befasst. Das Ergebnis: Jede Sekunde zählt. Denn der durchschnittliche Besucher ist ungeduldig. So kann eine um eine Sekunde längere Ladezeit bereits in einer sieben Prozent geringeren Conversionrate resultieren. Mit jeder Sekunde, die deine Seite länger lädt, geht dir also Umsatz verloren.

Ein Gegenmittel kann die Above the Fold-Optimierung sein. Also die Optimierung der Ladezeit des ohne Scrollen sichtbaren Bereichs der Seite. Denn durch diese Maßnahme wird unter anderem die gefühlte Ladezeit reduziert, was wiederum zu besseren Conversionraten führen kann.

Doch wie kann man die gefühlte Webseiten-Geschwindigkeit richtig messen? Klar, du kannst die Seite einfach in einem Inkognito-Tab laden und versuchen den Unterschied zu … naja zu erfühlen. Oder aber du verlässt dich auf ein Tool, das dir die gefühlte Ladezeit als handfesten und vergleichbaren Wert ausgibt.

GTmetrix ist so ein Tool. Es erlaubt dir den, meiner Meinung nach wichtigsten Ladezeitwert deiner Seite zu messen und macht diesen vor allem vergleichbar. Dabei ist es sehr einfach zu bedienen und liefert wertvolle Messdaten.

Dieser Artikel ist Teil einer Serie zum Thema Ladezeitmessung:

  1. In Teil 1 zeigen wir, warum die Art der Daten, die ein Test liefert so wichtig ist
  2. In Teil 2 zeige ich, warum der beliebte PageSpeed Insights-Test absolut ungeeignet für Performancevergleiche ist
  3. Teil 3 zeigt dir welche Daten du brauchst, um einen guten Performancevergleich durchführen zu können – bspw. nach einem Hosterwechsel

GTmetrix kann mit vielen Optimierungsempfehlungen, einer Historie der Webseiten-Geschwindigkeit und einer Videofunktion aufwarten

Die Bedienung von GTmetrix ist denkbar einfach: Du gibst die URL der zu testenden Seite ein und das Tool spuckt nach ein paar Augenblicken das Ergebnis aus. Der Nachteil dabei:

  • GTmetrix bietet nur einen Serverstandort, Vancouver, an
  • GTmetrix testet nur mit Firefox

Das bedeutet, dass die Messergebnisse von GTmetrix immer für einen Besucher aus Vancouver gelten, der über einen Desktoprechner und Firefox deine Seite ansteuert. Solange du bei deiner Performancemessung ausschließlich mit GTmetrix arbeitest, tut das den Erkenntnissen keinen Abbruch. Wenn du aber wissen möchtest wie schnell die Seite für deutsche Besucher lädt, musst du ein anderes Tool verwenden.

GTmetrix gibt dir vier große Datenpakete aus:

  1. Die Übersicht mit den Potenzialanalysen und wichtigen Eckwerten
  2. Das Wasserfalldiagramm
  3. Die (kostenpflichtige) Videofunktion
  4. Die Zeitreihenanalyse

Das Besondere an der Übersicht: Sie liefert die Ergebnisse von gleich zwei Potenzialanalysen

In dieser Übersicht werden dir alle wichtigen Eckwerte deiner Seite ausgegeben. Neben den Potenzialanalysen von Google (1) und Yahoo (2) findest du unter Page Details die Page Load Time (3), also die Ladezeit deiner Seite, die Größe deiner Seite (4) und die Anzahl der HTTP-Requests. (5)

Die Ladezeit und die HTTP-Requests eignen sich übrigens besonders gut für den Performancevergleich zweier Websites oder Websiteversionen.

Websitegeschwindigkeit richtig messen mit GTmetrix: Eine Übersicht
Unter „Test Server Region“ und „Using“ ist deutlich zu erkennen: GTmetrix nutzt in der kostenlosen Variante einen Server in Kanada und den Firefox Browser, um die Webseiten-Geschwindigkeit zu ermitteln. Für deutsche Seiten bedeutet dieser Testaufbau längere Ladezeiten.

Zu diesem ersten Überblick gehören auch die Detailergebnisse der beiden Potenzialanalysen PageSpeed Insights und YSlow. Diese zeigen ganz genau wie gut die Seite bisher optimiert ist und wo es noch Verbesserungspotenzial gibt. Dass sich GTmetrix gleich an zwei verschiedenen Regelsets (einmal an dem von Google und einmal an dem von Yahoo) orientiert ist löblich. Denn das bietet dir als Nutzer mehr Orientierung. Wird eine Optimierungsmaßnahme von beiden Tests vorgeschlagen, handelt es sich aller Wahrscheinlichkeit nach um einen wichtigen Optimierungsschritt, dessen Bearbeitung sich lohnt.

Die gefühlte Websitegeschwindigkeit ist wichtig. Die Übersicht der Potenzialanlyse von GTmetrix zeigt dir wo es Verbesserungspotenzial gibt.
So sehen die Potenzialanalysen bei GTmetrix aus. Nichts Neues, wenn man schon einmal ein Google PageSpeed Insights-Ergebnis oder die Resultate von YSlow gesehen hat. Über ein Dropdown kann man Detailinformationen zu den einzelnen Schritten einblenden.

In seinem Hilfebereich bietet GTmetrix ausführliche Beschreibungen und Interpretationshilfen an. Besonders Anfängern wird es somit sehr einfach gemacht, sich in die komplexen Ergebnisstrukturen einzuarbeiten.

Das Wasserfalldiagramm ist das Herz der Analyse

Genau wie Pingdom verrät GTmetrix die wirklich interessanten Daten erst im sogenannten Wasserfalldiagramm. Dieses schlüsselt alle geladenen Datenpakete (1) in chronologischer Reihenfolge (2) und mit ihrer Ladezeit (3) auf. Zudem wird angezeigt um welche Art von Aufruf es sich handelt (4), ob der jeweilige Request in Ordnung (5) ist und ob der Server einen Fehler ausgibt (6).

Detailansicht eines Wasserfalldiagramms von GTmetrix zur Analyse der Websitegeschwindigkeit.
Das Wasserfalldiagramm zeigt detailliert welche Faktoren welchen Anteil an der Webseiten-Geschwindigkeit haben.

Diese Detailinformationen erlauben es nun vernünftige Performancevergleiche zwischen zwei Seiten vorzunehmen. Das wird zum Beispiel nach einem Hosterwechsel oder einer Onpageoptimierung relevant. Wichtig ist, dass die Messungen immer von Servern in Kanada und über den Browser Firefox stattfinden. Willst du andere Parameter testen, musst du GTmetrix entweder kaufen oder du nutzt ein anderes Tool, beispielsweise webpagetest.org.

Die Detailansicht der Ladezeit bietet ein noch genaueres Bild der einzelnen Datenpakete und deren Beitrag zur Webseiten-Geschwindigkeit. Im Beispiel: der erste Kontakt mit unserem Server. 5 Millisekunden werden für den DNS-Lookup benötigt, 167 Millisekunden braucht der Client, um sich mit dem Webserver zu verbinden, nach 172 Millisekunden werden dann die ersten Daten heruntergeladen. Die lange Wartezeit von gut einer Sekunde kommt unter anderem durch die geografische Entfernung des Testservers vom eigentlichen Serverstandort zustande. Der Test liefert also die Zahlen für einen Kunden aus Kanada.

Details aus einem Wasserfalldiagramm zur Analyse der Websitegeschwindigkeit
Detailaufschlüsselung des ersten Requests des Browsers an den Webserver.

Wichtigster Vorteil von GTmetrix: Zeitreihenanalyse und eine Videofunktion für die gefühlte Webseiten-Geschwindigkeit

Gegenüber dem Tool, das ich vor einigen Tagen vorgestellt habe, Pingdom, bietet GTmetrix aber zwei entscheidende Vorteile:

  1. eine kostenlose Zeitreihenanalyse
  2. eine kostenpflichtige Videoanalyse

1) Die Zeitreihenanalyse

Der Vergleich der Ladezeit deiner Seite über mehrere Tage oder Wochen hinweg kann sehr aufschlussreich sein. Beispielsweise wenn du über mehrere Wochen hinweg deine Seite Schritt für Schritt optimierst. Die History-Funktion bietet diese Zeitreiheninfos (in der kostenlosen Version) für drei Dimensionen: Die Ladezeit der Seite, die Anzahl der HTTP-Requests und die Größe der Seite und die Scores der Potenzialanalysen YSlow und PageSpeed Insights.

Zeitreihenvergleich der Websitegeschwindigkeit bei GTmetrix
Nicht im Bild zu sehen: die Zeitreihenanalyse der Potenzialanalysen. Diese sind für die Webseiten-Geschwindigkeit zunächst aber auch nicht relevant.

2) Die Videoanalyse – Einziger echter Hinweis auf die gefühlte Seitenladezeit leider kostenpflichtig

Jetzt kommen wir endlich zu dem Feature, das GTmetrix so besonders wertvoll macht. Und auch besser als beispielsweise Pingdom: die Videofunktion. In einem solchen Video wird der Seitenaufbau dargestellt. Logisch. Doch dieser einfache Trick erlaubt es eine klare Differenzierung zwischen der gemessenen Ladezeit und der gefühlten Ladezeit zu erhalten. Leider ist das Tool nur nach Anmeldung bei GTmetrix (und wahrscheinlich auch erst nach Kauf des Dienstes) zugänglich. Das muss nicht sein, denn webpagetest.org bietet diese Videofunktion z.B. kostenlos an.

Fazit: Eine echte Profimessung der Webseiten-Geschwindigkeit braucht Angaben über die gefühlte Ladezeit

Für die Analyse der Ladezeit und vor allem des Ladezeiterlebnisses der Nutzer ist die Videofunktion elementar. Denn sie erlaubt Vergleiche auf einer von den bloßen Daten abstrahierten Ebene. Wir können Tests nur empfehlen, die eine Videoanalyse ermöglichen. Denn unter Umständen ist die gemessene Ladezeit zwar recht hoch, die gefühlte Ladezeit jedoch absolut vertretbar. Der Wert erlaubt dir also nicht nur besser zu verstehen, wie Kunden oder Nutzer dein Angebot wahrnehmen, sondern auch ob sich eine Seitenoptimierung mit Blick auf die Performance überhaupt lohnt. Denn unter Umständen lohnt es sich mehr in Conversionoptimierung zu investieren, als in die Ladezeit der Seite.

Alles in allem ist GTmetrix ein weiteres gutes Tool, um die Ladezeit der Seite zu messen. Es bietet noch ein paar Infos mehr als Pingdom, da die kostenlose Version von GTmetrix gleich zwei Potenzialanalysen umfasst. Die wirklich interessanten Features verstecken sich zwar hinter der Bezahlschranke, sind aber prinzipiell vorhanden, so dass du mit GTmetrix sehr gut die Performance deiner Seite verstehen und auch deren Entwicklung überwachen kannst.

Für uns ist GTmetrix aber nicht die Nummer eins der kostenlosen Tools. Denn es geht noch besser: webpagetest.org ist für uns das Non-Plus-Ultra der kostenlosen Messwerkzeuge. Allerdings stellt das Tool auch die größten Anforderungen an den Nutzer.

Hast du schon Erfahrungen mit anderen Messwerkzeugen gemacht, die vielleicht sogar noch bessere Daten liefern?